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20 Jahre Wende: Was ist oder war für Sie eine Wende?

Studenten und Angehörige der Handelshochschule Leipzig (HHL) kommentieren

Leipzig

Studenten der Handelshochschule Leipzig (HHL) / Quelle: HHL

20-jahre-wendeIn diesen Tagen jährt sich zum 20. Mal der Fall der Mauer in Berlin. Im Gedenken an die Friedliche Revolution 1989, die ihren Ausgangspunkt in Leipzig hatte, findet hier am 9. Oktober 2009 das kulturell-thematische „Lichtfest 2009“ statt.

Die Erinnerungen an die Ereignisse von 1989 sind bei den Menschen noch mehr oder weniger präsent. Wir fragen: Was ist oder war für Studenten und Angehörige der Handelshochschule Leipzig (HHL) eine Wende? Gemeint ist hier „Wende“ nicht nur im politischen Kontext sondern auch im beruflichen Schaffen oder privaten Leben. Ein Stimmungsbericht.

HHL-Rektor Prof. Dr. Hans Wiesmeth äußert sich zu der „Wende“ der „alten“ zur „neuen“ Handelshochschule, die sich aufgrund der historischen Ereignisse von 1989 zugetragen hat: „Nach der politischen Wende konnte im Herbst 1992 der Stadt ihre Handels-Hochschule – zwar im neuen Gewand und in privater Trägerschaft, jedoch auf der Tradition der im April 1898 in Leipzig gegründeten ersten deutschen Handels-Hochschule, wiedergegeben werden. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ergriffen gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig als Hauptträger der neuen Einrichtung die Initiative und bereiteten mit Hilfe der Regierung des Freistaates Sachsen die Wiedergründung der Handelshochschule Leipzig (HHL) zum 2. Oktober 1992 vor. Heute spielt die HHL mit ihren Studiengängen in General Management (MBA und M.Sc.) im Konzert der privaten Business Schools eine bedeutende Rolle und hat sich – auch dank ihrer vielen Sponsoren, Freunde und Helfer, aber eben auch dank der politischen Wende – zu einem wirklichen sächsischen Erfolgsmodell entwickelt.“

Die politische Wende hat Franziska Rook, Alumni-Koordinatorin, noch sehr gut in Erinnerung: „Ich wurde am 1. September 1989 eingeschult, doch dieses Schuljahr war anders. Nach dem Fall der Mauer am 9. November fehlten jeden Tag mehr Kinder, und eines Tages im Dezember kam schließlich auch keine Lehrerin mehr. Alle waren über Nacht ‚rübergemacht‘.“ Die Ilmenauerin sagt zu der Nachwendezeit: „Damals fiel es auf, wenn ein Nachbar ein neues Auto hatte – Trabbis und Wartburgs verschwanden aus den Straßenbildern. Die Telefonzellen verloren ihre Bedeutung, weil jeder einen Hausanschluss bekam (meine Familie 1992). So oft es nur ging, trug man seine ‚Westkleidung‘ um zu zeigen, dass man auch mal ‚drüben‘ war.“

Für Michael Römer, Student im Master-Studiengang in Management (M.Sc.) ist der Wandel allgegenwärtig. Er hebt die Chancen, die in Veränderungen stecken im Gegensatz zu den Bedrohungen, die viele in Veränderungen sehen, hervor. Für Römer hängt Veränderung auch immer mit einem Lernprozess zusammen; die große Herausforderung bestünde darin, immer größere Schritte vorwärts als rückwärts zu machen.

Für Volker Stößel, Pressesprecher der HHL, hatte die Friedliche Revolution positive Auswirkungen: „Als gebürtiger Rheinländer wäre ich ohne die politische Wende im Jahr 1989 nie in Leipzig heimisch geworden. Seit 1993, zum Start des Studiums an der Universität Leipzig, kenne ich diese wunderschöne Stadt an der Pleiße. Unbeschreiblich, was sich bis heute an Infrastruktur und Gedankengut in Leipzig entwickelt hat!“

Bilanzbuchhalterin Anja Nietzschmann-Neubauer sagt zur politischen Wende: „Während der „Montagsdemos“ teilte man unbeschreiblich große Emotionen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich bereits als 11jähriges Mädchen daran teilhaben durfte. Meine damals selbst genähte Sachsenfahne erinnert mich noch heute daran. Zwar hatte ich diese zunächst farblich verkehrt herum getragen, bis mich ein weiterer Demonstrant darauf hinwies, aber auch das hat die Wirkung nicht geschmälert.“

Studienberaterin Franka Storzer ist heute noch vom Jahr ’89 bewegt: „Blutsverwandt und Nachbarn, aber: Über Nacht waren plötzlich meine Tante und meine Cousins weg! Aus dem thüringischen Meuselwitz sind sie mit Sack und Pack über die Grenze nach Bayern geflüchtet. Heute leben sie in Kanada und können so den ewig gehegten Traum von der großen Weite und Freiheit leben.“

Jana Vogel, Leiterin Hochschulmarketing, erinnert sich an die politische Wende mit zahlreichen Demonstrationen in ihrer Heimatstadt Plauen: „Ich war mit Freunden von Anfang an dabei. Meine Eltern durften davon natürlich nichts wissen – viel zu gefährlich! Wir haben viele sehr emotionale Momente erlebt – Aufbruchstimmung, ein starkes Gemeinschaftsgefühl aber auch den Einsatz von Armee und Wasserwerfern, weinende Männer, hysterische Frauen, schreiende Kinder. Nach der Grenzöffnung sind dann viele Freunde von der Bildfläche verschwunden – ab in den Westen. Das war bitter und traurig. Die Stadt löste sich auf.“ Und weiter beschreibt sie: „Mit der Wende hat sich einiges für mich geändert – Studium, Auslandssemester, neue Berufsperspektiven. Das schönste war aber eigentlich meine erste große Auslandsreise – mit dem Bus nach Lloret de Mar!“

Studienberaterin Dorothee Fleischer kann die Leipziger Montagsdemonstrationen im Herbst `89 nicht vergessen. Ihre Eltern haben stets an den Friedensgebeten und Demonstrationen teilgenommen, während sie mit dem Bruder bei den Großeltern bleiben musste. Zu groß war die Angst, dass die Eltern nie wieder heimkehrten. Am 9. Oktober, am Tage der gefährlichsten Demonstration, sind die Eltern aus Sicherheitsgründen auch getrennt auf die Demonstration gegangen. Dorothee Fleischer wurde dennoch von ihren Eltern auf die Kundgebung am 6. November 1989 mitgenommen. Hier war sie überwältigt von der Menschenmasse und dem Geist der Einheit: 500.000 Demonstranten hatten an diesem Tag gegen das DDR-Regime demonstriert. Dorothee Fleischer ist stolze Einwohnerin der ‚Heldenstadt‘ Leipzig. Zudem ist sie glücklich, dass ihre Eltern gemäß des für die Wendetage prägenden Liedes „We shall overcome someday“ niemals aus Leipzig weggezogen sind. Heute sagt sie: „Ich kann frei äußern, was ich denke, kann dahin gehen und reisen, wohin ich möchte, kann fast alles kaufen, was ich möchte, kann dort leben, wo ich leben möchte – und das nur wegen der Ereignisse der Friedlichen Revolution von Leipzig!“

Handelshochschule Leipzig (HHL)

Die HHL, 1898 als Handelshochschule Leipzig entstanden und 1992 neu gegründet, ist Deutschlands älteste betriebswirtschaftliche Hochschule und zählt heute zu den führenden Business Schools. Die HHL ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht. Neben der Internationalität spielt an der HHL die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis eine herausragende Rolle. Darüber hinaus ist es das erklärte Ziel der HHL, durch einen „Integrated Management“-Ansatz leistungsfähige und verantwortungsbewusste Führungspersönlichkeiten auszubilden. Die HHL bietet den 18-monatigen Master-Studiengang in Management (M.Sc.) an. Darüber hinaus kann an der HHL der 18-monatige (bzw. 24-monatige berufsbegleitende) Master-Studiengang in General Management (MBA) belegt werden. Ein dreijähriges Promotionsprogramm, das auch berufsbegleitend absolviert werden kann, rundet das Studienangebot der HHL ab. Mit der HHL-Tochtergesellschaft HHL Executive GmbH werden firmenspezifische und offene Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte angeboten. Im April 2004 erhielt die Hochschule die Akkreditierung durch AACSB International. Die für weitere fünf Jahre geltende Reakkreditierung wurde im April 2009 gewährt. www.hhl.de

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Webtipp: >> www.hhl.de

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