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Abschied des umstrittenen Ethik- Wächters Cromme

7. Konferenz zum Deutschen Corporate Governance Kodex

Berlin

corporategovernance

Von Apellen an Moral und Verantwortung durchtränkt, ging gestern in Berlin die 7. Konferenz der Regierungskommision  Deutscher Corporate Governance Kodex zu Ende. Der scheidende Vorsitzende der Kommission und Thyssen- Krupp- sowie Siemens- Aufsichtsratchef, Dr. Gerhard Cromme, betonte in seiner Rede in Berlin: „Heute kann man feststellen, dass die deutsche duale Unternehmensverfassung national wie international eine Akzeptanz genießt, von der wir 2001 nicht zu träumen gewagt hatten. Unser Versuch, die traditionellen Grundsätze guter Unternehmensführung – das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns – an die Anforderungen des globalen Wettbewerbs anzupassen, ist gelungen.“

„Moral kann man nicht per Gesetz verordenen, und auch nicht per Kodex“, so die Aussage Crommes in Anspielung auf das Mißtrauen gegenüber Managern, das sich aktuell in der Bevölkerung ausbreitet. Brauchen wir dann eventuell generell keine Gesetze mehr, wundert sich nach diesem Argument so mancher Bürger, der den Sinn der von Bundeskanzler Schröder einst ins Leben gerufenen Kommission kritisch hinterfragt.

Cromme wirke als Ethik- Wächter über Unternehmen nicht authentisch, sagen seine Kritiker. Cromme habe, als er 2001 vom Vorstandsvorsitzenden des Stahl- und Maschinenbaukonzerns Thyssen- Krupp direkt auf den Sessel des Aufsichtsratsvorsitzenden wechselte, gegen seine eigenen Prizipien guter Unternehmensführung verstoßen. Auch als Mitglied des Prüfungsausschusses bei Siemens habe er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Er hätte das umfangreiche Korruptions- System früher erkennen und gegensteuern müssen. Außer bei Siemens und Thyssen- Krupp sitzt oder saß Gerhard Cromme auch in den Aufsichtsräten von Allianz SE, Lufthansa, Axel Springer AG, E.ON, BNP Paribas und Suez S.A..

Leider würde in diesem Sinne auch sein Nachfolger Klaus- Peter Müller von der Commerzbank die Empfehlungen der Kommission nicht sonderlich ernstnehmen. Im Mai 2008 ist er vom Vorstandsvorsitz der Commerzbank direkt in den Aufsichtsratsvorsitz gewechselt.

Die Schmiergeldskandale bei Siemens, die Bespitzelung von Aufsichträten und Journalisten durch die Telekom, die unerlaubten Preisabsprachen bei Thyssen-Krupp und die unklare Vergabepraxis bei Rabattverträgen zwischen Pharmakonzernen und Krankenkassen belegen beispielhaft: Um die Moral von Deutschlands Konzernen steht es schlecht. Korruption, Preisabsprachen und Bestechung gehören offenbar zu den gängigen Geschäftspraktiken in Unternehmen.

Angesichts der schlechten Umsetzung des Corporate Governance Kodex, stellte Bundespräsident Horst Köhler unlängst in seiner Rede zur Preisverleihung des Max- Weber- Preises für Wirtschaftsethik 2008 fest, das sich real nicht viel geändert hat und resümierte: „Vielleicht müssen wir also die gesetzlichen Regeln der Unternehmensführung anpassen”.

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Ein Kommentar zu “Abschied des umstrittenen Ethik- Wächters Cromme”

  1. Kulzer

    Wie kann man bei der Erstellung eines Kodex federführend mitwirken, wenn man dann gegen die eigenen Leitsätze verstoßen hat und verstößt.
    Für Außenstehende hat das alles den Schein eines Deckmantels oder noch krasser ausgedrückt: der Wolf frisst Kreide um ans Ziel zu kommen.
    Kulzer

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