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Artenvielfalt und Ökosysteme

Komplexe Zusammenhänge der Natur

Göttingen

Eine Schlupfwespe bei der Eiablage in einen Wirt (der sich in den abgebildeten Grasstengeln befindet). Schlupfwespen sind für die Kontrolle der Populationsdichte von Insekten, d.h. für die Verhinderung von Massenvermehrungen, von elementarer Bedeutung. Foto: Jason Tylianakis, Pressemitteilung: Marietta Fuhrmann- Koch, Georg- August- Universität Göttingen

schlupfwespeBiodiversität fördert wichtige Ökosystemfunktionen – dieser Zusammenhang lässt sich nicht nur experimentell belegen, sondern auch anhand von Untersuchungen, die die komplexen Zusammenhänge der Natur berücksichtigen. So kann ein umweltfreundliches Management tropischer Agroforstsysteme mit der Förderung verschiedener Bienenarten auf einer Kaffeeplantage dazu beitragen, die Kaffeeproduktion zu steigern. Das haben Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen zusammen mit Kollegen aus Neuseeland, den USA und der Schweiz mit ihren Forschungen nachgewiesen.

Dabei sind die Wechselwirkungen zwischen Artenvielfalt und ökosystemaren „Dienstleistungen“ für den Menschen immer dann am größten, wenn die Ressourcen für Pflanzen und Tiere möglichst heterogen verteilt sind, so Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie an der Georgia Augusta. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „PloS Biology“ veröffentlicht.

Wie Prof. Tscharntke erläutert, kann eine höhere Bienenvielfalt den Ertrag von Kaffeepflanzen optimieren, indem jede Art anders auf eine unterschiedliche Blütendichte reagiert und auf diese Weise eine insgesamt erhöhte Bestäubung sicherstellt. Positive Auswirkungen hat auch ein großer Artenreichtum von Schlupfwespen: Sie kontrollieren als Räuber die unterschiedliche Populationsdichte von Insekten und verhindern so schädliche Massenvermehrungen – je größer die Vielfalt der Schlupfwespen ist, desto besser funktioniert die Insektenregulation.

„Zwar mögen die verschiedenen Arten einer Gruppe in einem Ökosystem dieselbe Funktion erfüllen, sie reagieren in ihrem Verhalten aber ganz unterschiedlich auf die so vielfältigen Umweltbedingungen“, betont der Agrarökologe. „Die natürlicherweise vorkommende Lebensraum-Heterogenität ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Biodiversität an Bedeutung gewinnt. So ist der komplementäre Effekt der verschiedenen Arten dann am größten, wenn auch die Ressourcen in Raum und Zeit unterschiedlich verteilt sind.“

Originalveröffentlichung:
Tylianakis JM, Rand TA, Kahmen A, Klein A-M, Buchmann N, Perner J, Tscharntke T (2008): Resource Heterogeneity Moderates the Biodiversity-Function Relationship in Real World Ecosystems. PLoS Biology 6: e122, 947-956.

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Webtipp: >> Prof. Dr. Teja Tscharntke

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