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BIOACID – Großforschungsprojekt untersucht die Versauerung der Ozeane

Alfred- Wegener- Institut für Polar- und Meeresforschung

Bremerhaven

Nicht nur Flügelschnecken, sondern auch andere Tiere wie die Kaltwasserkorallen, sind als erste von sinkenden pH-Werten betroffen. Foto: Deep-Sea Research, Alfred-Wegener-Institut

versauerung_ozeaneHeute startet das Großforschungsprojekt BIOACID (Biological Impacts of Ocean ACIDification), ein Verbundprojekt, das die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf Lebensgemeinschaften im Meer untersucht.

Im Rahmen von BIOACID sollen in fächerübergreifender Zusammenarbeit unter anderem die Effekte der Ozeanversauerung auf die Kalkbildung, das Wachstum und die Entwicklung von Meeresorganismen ermittelt werden. An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für die nächsten drei Jahre mit 8,5 Millionen Euro finanzierten Projekt sind insgesamt 14 Forschungsinstitute und Universitäten aus ganz Deutschland beteiligt. Die Projektleitung liegt beim Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft übernimmt die stellvertretende Koordination und erhält insgesamt 2,9 Millionen Euro Projektmittel.

Jährlich nehmen die sich erwärmenden Weltmeere ein Drittel des Kohlendioxids (CO2) aus der Verbrennung fossiler Energieträger auf. Wenn sich das CO2 in Meerwasser löst, bildet sich Kohlensäure und die Konzentration von Karbonaten nimmt ab. Dieses Phänomen wird als Ozeanversauerung bezeichnet. Das Fehlen von ausreichend Karbonat schränkt die Fähigkeit vieler Meeresorganismen ein, Schalen oder Skelettstrukturen aus Kalk zu bilden. Betroffen sind aber auch ganze Ökosysteme wie beispielsweise Korallenriffe.

Felduntersuchungen zeigen, dass Effekte der Ozeanversauerung auf wichtige Kalkbildner schon heute sichtbar sind. Zudem zeigen einige Lebensräume, die natürlicherweise mit vulkanischem CO2 angereichert sind, eine veränderte Artenzusammensetzung. Der zusätzliche Eintrag von CO2 bedingt, dass hier nur wenige Kalkbildner überleben können. Andere finden nicht mehr ausreichend Karbonate, um ihre Schalen aufzubauen. Im Unterschied dazu ist das volle Ausmaß der Ozeanversauerung mit seiner Wirkung auf einzelne Arten als auch auf ganze Ökosysteme und damit letzten Endes auch auf die Fischerei noch unklar.

Die Polargebiete könnten auf die Ozeanversauerung besonders empfindlich reagieren. „In kaltem Wasser ist die Löslichkeit für CO2 groß“, erläutert Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Tierphysiologe am Alfred-Wegener-Institut und stellvertretender Koordinator des Projekts. „Die Ausgangssituation und damit auch die künftig zu erwartenden Änderungen in der Wasserchemie sind ungünstiger als in den wärmeren Meeren. Außerdem laufen viele biologische Vorgänge in den polaren Meeren wegen der geringen Temperaturen verlangsamt ab, so dass die Fähigkeit der Organismen, eine erhöhte CO2-Anreicherung zu kompensieren, möglicherweise eingeschränkt ist.“ An die extremen Umweltbedingungen angepasste Arten reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen. Somit stellen die Polargebiete eine Modellregion dar, in der die Verschiebungen in den Nahrungsnetzen und Ökosystemen aufgrund der Ozeanversauerung beispielhaft untersucht werden können. „Mit seiner Kompetenz auf dem Gebiet der polaren Meeresforschung wird das Alfred-Wegener-Institut einen wichtigen Beitrag zu den Untersuchungen im Rahmen von BIOACID leisten“, so Pörtner weiter.

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Webtipp: >> www.awi.de

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