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Biosprit verschärft Ernährungskrisen

Vereinte Nationen

Brüssel/Berlin

Nach deutlichen Vorwürfen der Vereinten Nationen an die Industrieländer, die weltweite Lebensmittelkrise durch den Anbau essbarer Nutzpflanzen zur Biokraftstoffgewinnung zu verschlimmern, verteidigt Horst Seehofer die Klimaschutzstrategie der Bundesregierung und warnt vor einer Verteufelung der Bioenergie.

Die Verschärfung der internationalen Debatte um Hunger und Energie demonstriert deutlich die Komplexität der Auswirkungen politischen und wirtschaftlichen Agierens.

Der Anstieg der Preise für GrundnahrungsmittelI um teilweise das Doppelte sorgte für Unruhen und Proteste in Asien, Nordafrika und der Karibik, in Haiti toben bereits Straßenschlachten und zeitgleich streitet man sich in Deutschland über eine umweltfreundliche Zusammensetzung des Kraftstoffes.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte am Dienstag in Bern die Bildung einer Sonderarbeitsgruppe der Vereinten Nationen zur weltweiten Nahrungsmittelkrise unter seiner persönlichen Leitung an und reagierte damit auf die sich zuspitzende Lage: „Die erste und unmittelbarste Priorität besteht darin, dass wir den Hungernden zu essen geben“, so Ban Ki Moon.

„In den USA wandert in diesem Jahr ein Drittel der Maisernte in den Benzintank. Das ist ein riesiger Rückschlag für die weltweiten Lebensmittelvorräte“, sagte Jeffrey Sachs, wissenschaftlicher Sonderberater der Vereinten Nationen am Montag in Brüssel und forderte die USA und Europa auf, ihre Produktion an Biosprit zu reduzieren. Der in der Expertenstudie des Weltlandwirtschaftsrats IAASTD prognostizierte drastische Preisanstieg bei Nahrungsmitteln, mitverursacht durch die Herstellung von Biokraftstoff, ist jetzt bittere Realität geworden – das ist nicht von der Hand zu weisen.

Andererseits sind Ziele im Umwelt- und Klimaschutz angesichts der drohenden Klimakrise auch dringliche Notwendigkeit und darum weiss auch Argrarminister Horst Seehofer:

„Diese Klimaschutzziele sind ohne nachwachsende Rohstoffe in keiner Weise erreichbar“.

Laut Umweltminister Sigmar Gabriel werde die Lebensmittelkrise hauptsächlich von den Spekulaten an den Finanzmärkten verursacht – von Denjenigen, die buchstäblich daran verdienen. Man müsse die Problematik differenziert betrachten:

„Wir wissen, dass wir mit nachhaltig erzeugten Rohstoffen mehr Probleme schaffen, als wir lösen“, sagte Gabriel. Wenn man jetzt aber alle Importe von Biomasse stoppt, schaffe man eine neue Distanz zu den Schwellenländern. „Die lassen sich ganz sicher nicht von ihren ehemaligen Kolonialherren sagen, wo sie welchen Rohstoff anzubauen haben“, sagte Gabriel.

Zurück bleibt ein bitterer Geschmack auf der Zunge liegender Fragen nach den Verhältnismäßigkeiten im Kampf um das Essen für die Anderen oder das Fahren für uns.

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