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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Dienstag, 21. November 2017

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Dalai Lama am Brandenburger Tor

Abschlusskundgebung in Berlin

Berlin

Es duftete nach Räucherstäbchen und Jasmin. Eine bunte Menschenmenge in buddhistisch gelöster Stimmung versammelte sich an diesem Montag Nachmittag am Brandenburger Tor in Berlin vor der Bühne, wo es hieß: „Solidarität und Freiheit. Deutschland für Tibet. Tibet für die Welt“ und wartete auf die Abschlusskundgebung Seiner Heiligkeit, des Dalai Lama.

Nadja Lustig hat sich unters Publikum gemischt.

33 mal besuchte das Oberhaupt der Exil-Tibeter bereits die Bundeshauptstadt, doch sehr unhöflich wurde er diesmal empfangen. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul traf sich als einziges Mitglied der Bundesregierung ebenfalls am Montag mit dem Dalai Lama und verteidigte trotz heftiger Kritik aus China und in ihrer eigenen Partei das Gespräch:

„Der Dialog mit Vertretern von Religionen, mit der Zivilgesellschaft gehört zu den ureigensten Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit, und auch den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern ist unsere Aufgabe, deshalb bin ich froh, dass dieses Gespräch hat stattfinden können.“

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hieß den Dalai Lama lediglich in einer Grußbotschaft willkommen in Berlin und so kündigte ARD-Journalist Franz Alt nach einem umfangreichen Bühnenprogramm namenhafter Künstler und Politiker die Ankunft Seiner Heiligkeit mit entsprechend kritischen Sätzen an:

„Hier in Berlin waren 1936 die Olympischen Spiele“, sagte er. „Ich möchte den Nationalsozialismus nicht mit China vergleichen, aber wir dürfen zu Menschenrechtsverletzungen nie wieder schweigen. Warum also habt ihr Angst vor einer Begegnung“ fragte der Journalist, den Blick auf den Reichstag gerichtet, und erntete großen Beifall aus der Menge.

Nach der Aufforderung: „Lasst endlich Journalisten nach Tibet, damit wir wissen, was los war“ bat Franz Alt schließlich seine Heiligkeit selbst auf die Bühne. Das Jubeln in der Menge machte jener Atmosphäre Platz, die man schwer beschreiben kann, ohne sie jemals erlebt zu haben.

Nadja Lustig von Ethiker: „Sein Charisma ist unvergleichlich und sein Lächeln wirkt ansteckend und beruhigend.“

Dabei ist der 14. Dalai Lama kein großer Redner. Mit wenigen Worten brachte er zunächst seine Freude darüber zum Ausdruck, hier am Brandenburger Tor, einem symbolträchtigen Ort für friedliche Konfliktlösungen, sprechen zu dürfen.

Anschließend bekundete er sein Mitgefühl mit den Opfern und Betroffenen der Erdbebenkatastrophe in China, von denen viele durch die Einkindpolitik das einzige Kind verloren haben.

Große Sorgen bereite ihm dieses „Jahrhundert der Gewalt“ mit seinen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen und dabei meine er nicht nur die Zustände in seiner Heimat Tibet.

„Ich möchte klarstellen, dass die Unterstützung Tibets keine antichinesische Haltung beinhaltet“, sagte er versöhnlich und plädierte für das Konzept der Gewaltlosigkeit: Ich wünsche mir, dass das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des gewaltlosen Dialogs wird.“

Seine Forderungen nach Gerechtigkeit in Tibet müssten auf friedlichem Weg durchgesetzt werden und es ginge Tibet dabei nicht um eine Separation, sondern um Autonomie und dem Erhalt der alten Hochkultur, von dessen kulturellem Erbe auch China profitieren könne.

Unter Beifall und Jubeln aus der Menge fügte er eine kleine Anekdote an:

„1954/55 habe ich mehrere Monate in Peking gelebt. Ich traf dabei auch ein paar Mal Mao Tse-tung. Als er fragte, ob die Tibeter eine eigene Flagge hätten, sagte ich ja. Mao fand das gut und meinte, wir sollten sie – neben der roten Chinas – weiter behalten“, erzählte er und lächelte.

Seine Forderungen wurden in der Bevölkerung durch 40.000 gesammelte Unterschriften unterstützt.

Während und nach der Kundgebung stiegen hunderte Luftballons in Tibets Nationalfarben in den Himmel.

Unterstützt und organisiert wurde die Deutschland-Reise des Dalai Lama u.a. von der Tibet Initiative Deutschland e.V., vom Verein der Tibeter in Deutschland e.V. und von der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Fotos: © Ethiker, Nadja Lustig

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