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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Dienstag, 25. Juli 2017

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„Demokratie und Kapitalismus“

Rosa- Luxemburg- Stiftung fördert Promotionskolleg an der Universität Siegen

Siegen

uni_siegen„Demokratie und Kapitalismus“ – sind das Begriffe, die sich gegenseitig ausschließen oder gehören sie gar untrennbar zusammen? Während Kritik am „kapitalistischen System“ nicht nur bei den Linken geübt wird, gelegentlich gar von einer „Überwindung des Kapitalismus“ zu hören ist, gibt es kaum grundsätzliche Kritik an der Demokratie als Herrschaftsform. „Mehr Demokratie wagen“ galt in Deutschland einmal als Leitmotiv einer ganzen Epoche. Nicht über „die Demokratie“ wird gestritten, sondern höchstens über die Ausgestaltung, über Umfang und Inhalt des Begriffs.

Ein aus Mitteln der Rosa-Luxemburg-Stiftung gefördertes Promotionskolleg zum Thema „Demokratie und Kapitalismus“ ist heute an der Universität Siegen eröffnet worden. Aufgrund des internationalen und interdisziplinären Ansatzes sind aber auch renommierte Wissenschaftler anderer Universitäten in die Arbeit des Kollegs und als Betreuer von Dissertationsvorhaben eingebunden.
Den Antrag auf Einrichtung eines solchen Promotionskollegs haben Prof. Dr. Georg Bollenbeck und Privatdozentin Dr. Friederike Kuster (beide Universität Siegen), Prof. Dr. Ulrich Brand (Universität Wien), Prof. Dr. Andreas Fisahn (Universität Bielefeld) und Prof. Dr. Stephan Lessenich (Universität Jena) gemeinsam formuliert. Neben der Betreuung der einzelnen Promotionsvorhaben sind regelmäßige Doktorandenkolloquien, gemeinsame Workshops und Tagungen vorgesehen. Das Kolleg ist zunächst auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt und wird für acht Doktorandinnen und Doktoranden die Chance auf eine Promotion eröffnen.
Das Promotionskolleg will fachspezifisch verengte Betrachtungsweisen vermeiden und setzt doch auf disziplinäre Kompetenzen. Es versteht Demokratie nicht ausschließlich als Merkmal der staatlichen Organisation, weil diese Einengung dazu verleitet, Demokratie an das bestehende System gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse zu binden, sie auf die Legitimation von Herrschaft einzugrenzen und die Möglichkeiten einer Rücknahme von Herrschaft auszublenden. Im Promotionskolleg „Demokratie und Kapitalismus“ werden Arbeiten gefördert, die auf den Zusammenhang zwischen spezifischen Formen der ökonomischen Produktion und der politischen Programmatik und Praxis achten. Es unterscheidet zwischen Politik und Ökonomie, es trennt aber diese Bereiche nicht vollends. Es geht davon aus, dass Untersuchungen zur politischen Philosophie, zu Demokratietheorie und Demokratiegeschichte, zu aktuellen Demokratie¬debatten und politischen Kämpfen die sozialökonomischen Bedingungen mit einbeziehen sollten; und dass umgekehrt der Nachweis von sozio-ökonomischen Bedingungen für die Analyse der Demokratie nicht ausreicht.
Als eine „Entschleunigungsoase“, in der auch in Zeiten der zunehmenden Ökonomisierung der Bildung ein Rest akademischer Freiheit erhalten werden soll, charakterisierte Dr. Friederike Kuster das Promotionskolleg. „Die hohe Qualität der eingereichten Vorhaben und die Auswahl der fünf Doktorandinnen und drei Doktoranden weckt große Hoffnungen bei den Initiatoren des Kollegs“, so Prof. Dr. Georg Bollenbeck bei der Eröffnungsfeier.
In der Rosa-Luxemburg-Stiftung sei die Frage der Einrichtung von Promotionskollegs über einen längeren Zeitraum kontrovers diskutiert worden, darauf wies Dr. Katrin Schäfgen in ihrer Grußadresse hin. Die Befürchtungen, durch die Förderung solcher Kollegs könnte die Unterstützung von Einzelvorhaben vernachlässigt werden, hätten aber durch den Zuwachs an Fördermitteln der Stiftung einerseits und die Erwartungen an die Ergebnisse der Arbeit im Kolleg, den Diskussionen zwischen den Stipendiaten untereinander und mit ihren akademischen Betreuern sowie im Diskurs mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler andererseits entkräftet und überwunden werden können.
Dass das Thema „Demokratie und Kapitalismus“ eine solche Tagesaktualität entfalten könnte, sei bei der Beantragung und der positiven Entscheidung der Stiftungsgremien nicht absehbar gewesen, so Dr. Schäfgen weiter. Umso mehr sei man in der Stiftung gespannt auf die Ergebnisse der Analyse der gegenwärtigen sozialen und ökonomischen Bedingungen sowie mögliche Ansätze alternativer Gesellschaftsmodelle.

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Webtipp: >> www.uni-siegen.de

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