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Die Dynamik der Armut

Großprojekt zur Entwicklungsforschung in Thailand und Vietnam

Hannover

leibnitz_uni_hannoverLanganhaltende Trockenheit, Überschwemmungen, Stürme, Schädlingsbefall, Arbeitslosigkeit, ein Unfall oder Todesfall: Solche Katastrophen können die Existenz von Familien nachhaltig beeinflussen und bedrohen. Was derartige „Schocks“ für Familien in ländlichen Provinzen Thailands und Vietnams bedeuten, untersuchen Wirtschaftsgeographen und Wirtschaftswissenschaftler der Universitäten in Hannover, Göttingen und Frankfurt a. M. gemeinsam mit Wissenschaftspartnern in Südostasien zurzeit in einem gemeinsamen Projekt zur Entwicklungsforschung. Ziel ist es, die Dynamik der ländlichen Armut besser zu verstehen, um neue Strategien zur Bewältigung zu entwickeln.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die erste Phase des Projekts, das seit 2006 läuft, mit 1,1 Millionen Euro gefördert. Im Frühjahr 2007 sind 4400 Familien in jeweils drei ländlichen Provinzen Thailands und Vietnams erstmals zu ihren Lebensumständen, ihren Einkommensmöglichkeiten und Erfahrungen mit Schocks befragt worden. Ein Jahr später wurden die Familien erneut besucht. Nach einer ersten Auswertung des umfangreichen Datenmaterials zeichnen sich jetzt einige interessante Aspekte ab.

„Wir haben herausgefunden, dass es in den untersuchten ländlichen Provinzen eine im Vergleich zum Landesdurchschnitt völlig untypische Alterspyramide gibt“, erläutert Prof. Hermann Waibel vom Institut für Entwicklungs- und Agrarökonomik, Sprecher der Forschergruppe. Normal für Entwicklungs- und Schwellenländer sei eine Verteilung mit sehr vielen jungen Leute und vergleichsweise wenig alten. „In unseren Provinzen gibt es dagegen ein dickes Loch bei den 18- bis 30-Jährigen“, sagt Professor Waibel. Die jungen Leute wandern verstärkt in die großen Städte ab – oft eine Tagesreise und mehr entfernt -, suchen sich dort einen Job und schicken Geld nach Hause. „Das führt dazu, dass die Familien auf dem Land oft nur noch aus Kindern und Großeltern bestehen.“ Als Konsequenz wird die Landwirtschaft – Reis-, Mais-, Maniok-, Gummibaum-, Kaffeeanbau oder Viehwirtschaft – zunehmend im Nebenerwerb betrieben. Die Verwandten auf dem Land verlassen sich auf das Geld aus der Stadt – ein Risiko, insbesondere in der sich ausbreitenden Wirtschaftskrise.

Der Erfolg des Projekts ist auch den Partnern in Thailand und Vietnam zu verdanken. Interviewteams aus thailändischen und vietnamesischen Studierenden haben die Familien in den Dörfern befragt. „Das war sehr wichtig, um sprachliche Barrieren zu überbrücken“, erläutert Professor Waibel. Das Forscherteam aus acht deutschen Professoren und zwölf Doktoranden aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaftswissenschaften einschließlich der Wirtschaftsgeographie konnte auf langjährige gute Kontakte zu Forschungseinrichtungen in Südostasien zurückgreifen. Professor Waibel etwa hat sieben Jahre in Thailand gelebt und gearbeitet. Die Forschergruppe stellt jetzt einen Antrag auf Förderung für drei weitere Jahre, um die Datenerhebung ausweiten zu können.

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Webtipp: >> www.uni-hannover.de

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