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Entwicklungsgeschichte aus künstlerischer Perspektive

Sonderausstellung „Genealogien“ startet am 4. Juni im Phyletischen Museum der Universität Jena

Jena

Uli Westphals Arbeit „Chimaerama“. Foto: Gunnar Brehm/FSU

entwicklungsgeschichteDie Beispiele gehören heute zur Allgemeinbildung: Aus einer befruchteten Eizelle wird ein Embryo und schließlich ein erwachsener Salamander oder Fisch oder Hund. Und die Erkenntnis, dass Affen und Menschen nur ihnen gemeinsame Vorfahren haben, wie u. a. in Darwins Entwicklungstheorie dargelegt. Diese Ontogenese und Phylogenese genannten Entwicklungslinien werden im Phyletischen Museum der Universität Jena (Vor dem Neutor 1) auf anschauliche Weise präsentiert. Ab dem 4. Juni wird die Darstellung um eine künstlerische Perspektive erweitert. Dann startet die Sonderausstellung „Genealogien“ des Berliner Künstlers Uli Westphal. Zur Vernissage am Donnerstag um 18.00 Uhr ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Die Ausstellung ist bis zum 11. Oktober 2009 täglich von 9-16 Uhr zu sehen.

Westphals Werke haben einen starken Bezug zur Biologie und ihren Ordnungssystemen, setzen jedoch eigene Schwerpunkte. Beispielsweise zeigt er nicht die Stammesgeschichte der Elefanten, sondern die Entwicklung ihrer Darstellungen. „Auf diese Weise stehen die Arbeiten in einem Dialog zwischen Mensch, Kultur und Wissenschaft“, erläutert Dr. Gunnar Brehm vom Phyletischen Museum. „Westphal stellt die Frage, wie Natur in diesen unterschiedlichen Kontexten wahrgenommen, dargestellt und begriffen wird“, ergänzt sein Kollege PD Dr. Hans Pohl. Westphals Arbeiten entstehen aus Sammlungen, Simulationen, Animationen und Klassifikationssystemen. Diese basieren zwar auf wirklich existierenden Naturphänomenen, erzählen jedoch vor allem von der Entwicklung menschlicher Vorstellungen über die Natur. Drei Arbeiten Westphals werden sogar in die Dauerausstellung des Museums integriert.

„Elephas Anthropogenus“ untersucht, welches Bild vom Elefanten sich Westeuropäer im Laufe der Geschichte gemacht haben. Da man während des Mittelalters kaum Elefanten aus eigener Anschauung kannte, musste man sie mit Hilfe bestehender Überlieferungen morphologisch rekonstruieren – also ein real existierendes Tier neu erfinden. Dies führte zu Illustrationen, in denen die wesentlichen Merkmale eines Elefanten noch sichtbar sind, die ansonsten jedoch völlig vom realen Aussehen und Körperbau dieses Tieres abweichen. Basierend auf einer Sammlung solcher Abbildungen rekonstruiert Westphal die Entwicklungsgeschichte des „Elephas Anthropogenus“, des vom Menschen erdachten Elefanten. Das Resultat ist ein genealogisches Baumdiagramm, in dem das Bildmaterial nach taxonomischen Aspekten eingeordnet wurde. Westphal verwendet hier die Bildsprache der Naturwissenschaften, um der Entwicklungsgeschichte eines kulturellen Naturbildes eine visuelle Form und Struktur zu geben.

Die Arbeit „Mutatoes“ setzt sich mit zeitgenössischer Naturwahrnehmung auseinander. Das Mutato-Archiv ist eine umfangreiche photographische Sammlung von Früchten, Gemüse, Knollen und Pilzen, deren Wuchs vom Standardbild abweicht. Westphal verwendet das Wort „Mutato“ als Sammel-Begriff für all jenes Obst und Gemüse, das diesen optischen Richtlinien widerspricht, und spiegelt damit eine Formenvielfalt wider, die durch unsere Wahrnehmung in Vergessenheit gerät und letztendlich zu verschwinden droht.

„Coleoptera“ ist eine Animation, die durch die schnelle Abfolge von über 2.000 Silhouetten unterschiedlicher Käferarten entsteht. Die einzelnen Käfer-Silhouetten sind so angeordnet, dass durch die leichten Unterschiede in ihrer Körperform ein fließender Übergang entsteht. „Aus den verschiedenen Arten wird so ein einziger, jedoch permanent transmutierender Organismus“, erläutert Dr. Brehm. Zugleich beschreibt Westphal damit die Unermesslichkeit dieses Artenreichtums. „Coleoptera“ entstand in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Künstlerin Kristen Cooper.

Außerdem ist Westphals Arbeit „Chimaerama“ zu sehen. Es ist eine Art Zufallsgenerator, in dem hundert viktorianische Tierillustrationen, in jeweils drei Segmente zerteilt, zu einer Million neuer Kreaturen kombiniert werden. In einem 22-stündigen Film laufen diese Kombinationen mit einer Rate von 12,5 Bildern pro Sekunde. Über einen Schalter lässt sich dieser Bilderfluss jedoch anhalten – ähnlich wie bei einem Casino-Spielautomaten – und die in diesem Moment entstandene Chimäre wird sichtbar. Als Zufallsgenerator neuartiger Lebewesen befasst sich diese Arbeit auch mit der evolutionstreibenden Kraft der Kreuzung: Denn die ständige Neu-Kombination von Erbgut bildet einen Hauptbestandteil evolutionärer Prozesse.

Westphals Arbeiten betten sich hervorragend ein ins Phyletische Museum, das seit der Gründung durch Ernst Haeckel im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst steht, wie die Besucher nun in der neuen Sonderausstellung erleben können.

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Webtipp: >> www.uliwestphal.de

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