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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Montag, 11. Dezember 2017

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Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania II

Manfred Schieß in Afrika

Tanzania

hilfekonkret

Fortsetzung von: Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania I

Wir sind am Freitag gut in Mpanda angekommen, allerdings mit einem uralten Bus, der am Boden undicht war. Daher waren wir am Schluss total eingestaubt! Hier haben wir wieder große Probleme mit dem Internet (aber wir haben z.Z. Strom). So schreibe ich diesen 3. Teil des 5. Berichts im Internetcafe ohne Internet und sende ihn, wann immer das Internet mal wieder funktioniert.

Als wir am Freitag hier eingetroffen waren, mussten wir feststellen, dass Nelson 39,8 Grad Fieber hatte. Er trinkt daher seitdem Artemisiatee als hätte er Malaria (vielleicht ist es ja eine). Schon gestern hatte er den ganzen Tag KEIN FIEBER mehr und auch heute ist es nicht zurückgekehrt. Er muss natürlich mindestens 7 Tage den Tee 4mal am Tag trinken, damit evtl. Malaria keine Chance hat. Hoffentlich bleibt seine Körpertemperatur unten, hier ist die medizische Versorgung schließlich nicht die beste! Nun, im Notfall werde ich selbstverständlich Micaeles Apotheke bemühen…

Ich trinke weiterhin einmal am Tag Artemisiatee und mische einen Teelöffel voll Monga-Blattpulver in mein Uji (Porridge) und hoffe, dass ich keine M. bekomme, denn ich bin schon einige mal gestochen worden. Heute Nacht hatte ich sogar ein Moskito im Netz, obwohl ich dieses vorher geflickt hatte. Vielleicht ist es mit mir zusammen ins Netz gekommen, das ist immer der kritischste Augenblick.

So ist Malaria hier ein grosses Problem, weshalb der Prokon Manager Bw. Nkuba, der das Jatropha-Projekt hier leitet, gleich an Artemisia A3 interessiert war. Ich überspielte ihm alle PPPs ueber einschlägige Pflanzen, die ich auf meinem Stick habe. Morgen bringe ich ihm noch ein englisches anamed-Buechlein darüber. (Da er sehr gut Bescheid wusste, kam heraus, dass er eigentlich Arzt ist! Schade nur, dass er nicht als solcher hier arbeitet, aber da wuerde er natürlich viel weniger als bei Prokon in dieser Position verdienen.)

Er sagte uns auch, dass der Dieselpreis seit Januar von 1100 TShs. Auf 2.400 gestiegen ist! (Ein Euro ist etwa 1.850 TShs.).

Leider kann er nicht alles selbstständig entscheiden. So musste ich erst von seinem Laptop aus eine Mail an den big Boss in Germany schreiben (bei ihm ging das Internet zum Glück) und für ihn um Erlaubnis bitten, dass wir alles im Projekt sehen dürfen! Jetzt hoffe ich nur, dass bis morgen früh Antwort da ist – wir haben nämlich für Dienstag Nachmittag ein Zugticket nach Tabora.

Hier sind wir zum ersten Mal ein paar Tage in einem richtig warmen Tieflandklima, wo ich nur mit dem Leintuch bedeckt schlafe. Bisher waren wir immer – mit Ausnahme von Salima und Mzuzu – in Höhen ueber 1600 m NN, wo es mir nachts echt zu kalt war. In Sumbawanga habe ich sogar draußen vor Sonnenaufgang die Feuchtigkeit meines Atems Wolken bilden sehen! Hier dagegen wachsen Öl- und Kokospalmen!

Unser Guesthouse, das viel schlechter als das in S’wanga aber doppelt so teuer ist, liegt gegenüber dem GTZ-Buero. Die GTZ arbeitet hier mit UNHCR zusammen in der Versorgung der Flüchtlinge (vor allem aus Burundi) in den großen Lagern hier in West-TZ. Hier haben wir im GH zum ersten Mal kein fließendes Wasser – und das, das wir im Eimer bekommen, ist braun. Auch gibt es in Bad und Toilette kein Licht, was bei Dunkelheit (hier ab 19 h, da wir jetzt ostafr. Zeit haben und Euch 1 h voraus sind) schon ein Problem darstellt, zumal ich meine Taschenlampe inzwischen wo liegen ließ!

Nun möchte ich noch auf ein paar Punkte eingehen, die uns auf der Fahrt hierher aufgefallen sind, darunter auch tolle Widersprüche:

Selbst in dieser sehr abgelegenen Gegend (die Bahn verdankt ihre Entstehung den längst ausgebeuteten Lagern von Gold, Kupfer und Zink, die es hier bis ca. 1960 gab) haben die meisten Häuser Wellblechdaecher und bestehen aus gebrannten Ziegeln! Ein Gott verlassenes Nest hatte sogar selbst gemachte Dachziegel auf den Häusern! Es ist doch erstaunlich, wie manchmal selbst in einer solchen Gegend gewisse Innovationen sich durchsetzen!

Auch sahen wir des öfteren Satellitenschuesseln, einmal – ganz eklatant – eine ca. 1 m Schüssel auf einer Hütte in der Pampa.

Die Straße führte auf dem Ufipa-Plateau oft zwischen zwei Ketten von Bergen (oft über 2.000 m  hoch) entlang und etwa alle 50 km waren auf einem Berg Mobilfunkmasten. In dieser Beziehung ist das Gebiet voll erschlossen. Nelsen empfängt hier über Celtec sogar Telefonate aus Malawi ohne Probleme!

Ferner fiel uns eine Dorfschule auf, die die Kinder schoen mit farbigen Bildern – darunter eine Länderkarte Afrkas – verziert hatten. Auch hier hätte ich gerne angehalten und mit dem Direktor gesprochen – muss er doch engagiert seinen Beruf ausüben, was in solchen Dörfern selten ist, da die meisten Lehrer lieber in Städten arbeiten. Das ist der größte Nachteil dieser Busfahrten…

Ein Witz ist auch, dass sowohl Sumbawanga als auch Mpanda im Zentrum UNGETEERTE 4-spurige “Highways” haben! Da wird natürlich noch schneller als sonst gefahren – der Staub setzt uns bei unseren ausgedehnten Fußmärschen in Mpanda echt zu! Ohne den Staub und die Moskitos waere es ein erholsamer Aufenthalt…

Heute (SO 13.7.) waren wir in einem Moravian Gottesdienst (“Herrenhuther Brüdergemeinde”). Wir mussten mitten im Gottesdienst – wie alle Neuankömmlinge – vor die Gemeinde treten und uns vorstellen – ich freue mich, dass ich das mit in paar Saetzen Kiswahili geschafft habe.

Soviel aus dem gar nicht wilden Westen Tanzanias. Ich hoffe, dass ich diesen Bericht vielleicht morgen von Bw. Nkubas Laptop aus versenden kann, da in diesem Internetcafe, wo ich schreibe, das Internet schon gestern nicht funktionierte.

Nachtrag: Dies ist leider nicht möglich gewesen, weshalb ich jetzt den Bericht erst aus Morogoro senden kann.


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