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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania III

Manfred Schieß in Afrika

Tanzania

hilfekonkret

Fortsetzung von: Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania II

Jetzt schreibe ich aus Morogoro über diese Woche:

14. & 15.7.08: Am MO erhalten wir etwa um 11 h grünes Licht aus der Prokon-Zentrale für unseren Besuch des Jatropha-Projekts, nachdem ich noch die Sekretärin des  Big Boss in Deutschland angerufen hatte.

Wir fuhren zunächst zu verschiedenen Jatropha-Feldern von Kleinbauern, die z.T. recht verstreut liegen. Da jetzt Trockenzeit ist, konnten wir Pflanzen in sehr verschiedenen Stadien sehen: Die Meisten ohne Blätter, aber auch grüne, wo im Boden noch Feuchtigkeit war. In Einzelfällen sahen wir sogar Blüten und Früchte, die beim Ernten vergessen worden waren. In einem normalen Jahr mit kl. Und großer Regenzeit können 2 Ernten eingefahren werden. Z.Z. nehmen etwa 12.000 Kleinbauern in 130 Dörfern des Mpanda-Distrikts an dem Projekt teil. Sie haben ca. 7.500 ha bepflanzt.

Prokon selbst hat nur ein Versuchsfeld, wo sie Dünge- und Bewässerungsversuche unternehmen. Die Bauern erhalten 200 TShs. Per kg Samen (1 E = ca. 1.830 TShs.). Von Prokon erhalten sie Pestizide z.B. gegen den Red Bug, der die ganze Pflanze frisst, sowie gegen Pilzbefall kostenlos. Ein Problem sind z.T. auch Termiten, die man erst erkennt, wenn die Pflanze stirbt, da sie zunächst an der Wurzel ansetzen.

Auch Schulen nehmen an dem Projekt teil, wir konnten aber keine besuchen.

Z.Z. baut Prokon in Mpanda eine Ölmuehle für 40.000 t Samen/Jahr, die anfangs nächsten Jahres in Betrieb gehen soll.

Nahrungskonkurrenz ist in diesem Gebiet bislang nicht gegeben, da noch große Flächen ungenutzt sind, z.T. sicher auch, weil sie Tsetse verseucht sind.

Am Montagabend spielten wir noch unsere PPPs über Heilpflanzen auf einen Computer in einem Papierwarenladen für die Moravian Gemeinde, deren Pfarrer darauf ganz scharf war, aber selbst über keinen Computer verfügt. Halb Mpanda kann sich also dort jetzt ueber Artemisia A3, Moringa usw. informieren. Der Pfarrer bekam von Nelson auch die Tel.Nrn. der anamed-Gruppe in Musoma, die A3-Setzlinge liefern kann und alle Fragen beantworten kann.

Bei unserem Guesthouse in Mpanda eröffnete eine sehr active Frauengruppe ein kleines Restaurant, wo wir dann immer aßen. Natürlich wollten sie dann gleich wissen, warum ein Mzungu Uji isst und was für grüne Pulver das sind, die wir da benutzen. Ich habe ihnen nach Kräften auf Kiswahili alles erklärt. Der Mann einer dieser Frauen besitzt einen Computer und kann Englisch. So habe ich ihr eine meiner letzten CDs mit den PPPs und dem anamed-Handbuch in Kiswahili gegeben. Sie gab mir die Mailadresse ihres Mannes. Ich soll einige meiner Fotos senden. Ich bin echt gespannt, wie es mit dieser Gruppe weitergeht…

Am DI-Abend fuhr dann mit 6-stündiger Verspätung unser Zug nach Tabora ab. Nelson kommt jetzt doch mit mir nach Dar, da er dort etwas abholen will, was er in Malawi nicht bekommen kann. Ich bin darüber sehr glücklich, da es eben doch viel einfacher ist, unter hiesigen Umständen zu zweit als alleine zu reisen. Im Liegewagen (6 Leute im Abteil) war auch gleich ein Arzt von TZ Roten Kreuz, der in einem der Flüchtlingslager arbeitet. Ihm erklärten wir auch anamed und ich gab ihm schließlich meine letzte CD. Jetzt hoffe ich nur, dass ich in Dar neue von meinem Stick brennen kann, denn ich glaube mittlerweile, dass dies ein hervorragendes Medium ist, um diese Idee zu verbreiten.

Die Tanzania Railways sind durch die Privatisierung (sie sind jetzt in indischer Hand) nicht besser geworden – eher das Gegenteil: Unser “Schlafwagen” hatte einen Federschaden: Der Wagen geriet auf den schlechten alten Gleisen von Mpanda zur Hauptstrecke von Kigoma immer wieder in so starke vertikale Schwingungen mit einer Frequenz von ca. 2 pro Sekunde, dass er fast bei jeder Schwingung auf dem Rahmen  des Drehgestells (ueber dem unser Abteil war) aufschlug. Manchmal waren die Schwingungen so groß, dass ich befürchtete, der Wagen würde aus den Gleisen springen. Auf der Hauptstrecke, die neuere Gleise in dieser Gegend hat, schlug er dann wesentlich seltener auf. Etwas Derartiges hatte ich bei einem Schienenfahrzeug noch nie erlebt, bei dem Bus von Mbeya nach Sumbawanga allerdings auch des öfteren, da die Stoßdämpfer die Schlaglöcher nicht mehr abfedern konnten…

Auch  gab es im Restaurantwagen kein Frühstueck, obwohl wir erst ca. 10 h in Tabora ankamen. Dort hatte der Zug nach Dar zum Glück gewartet und – obwohl man in Mpanda nur Tickets bis Tabora erhalten kann  – fanden wir mit Hilfe eines Mitreisenden ein halb leeres 2. Klasseabteil, so dass wir bis Morogoro mit dem Zug – nun in einem besseren Wagen – fahren konnten. Allerdings gab es auch hier an den Wagen noch große Mängel, doch wir kamen am DO 17.7. 5.45 h wohlbehalten in Morogoro an. Als es kurz vor sieben hell wurde, fanden wir einige hundert Meter vom Bahnhof bei “Mama Pierina’ s” eine gute Unterkunft. Ich habe diese auch für meine Besucher aus D, die am 27.7. in Dar eintreffen gebucht. Der Preis hat sich zwar gegenueber dem Jörg Gabriel-Führer mehr als verdoppelt, doch der Euro hat auch zugelegt. Heute morgen habe ich dann zusammen mit dem Führer der Wildlife Conservation Society of Tanzania die Erlaubnis zum Besuch eines der ältesten Wälder der Erde (ca. 24 Mio Jahre alt) in den Uluguru-Bergen eingeholt.

Allerdings ist das Forstreservat inzwischen vom Parlament zum “Nature Reserve” erklärt worden. D. h. der Eintritt kostet jetzt pro Person und Tag 30 $ anstatt 4.000 TShs! Ich konnte das zum Glück für die ganze Gruppe vorlegen, da man auch das Equivalent in TShs. Bezahlen kann. Auch die Hütte in den Ulugurus ist gebucht.

Der Führer ist übrigens ein ehemaliger Schüler der Mzumbe High School, wo wir 7 Jahre lebten. Allerdings war er dort nach unserer Zeit. Sein O-Level hat er in einer  Schule in Shinyanga absolviert, wo einer meiner Mitautoren an einem tansanischen Schulbuch Headmaster war. Die Welt ist eben doch klein…

Gestern Nachmittag hatte ich ein erstes Treffen mit dem Chef des Mzumbe Book Project (MBP), das ich in den 80er Jahren mit aufgebaut habe. Das Treffen fand in alter Herzlichkeit statt – wir kennen uns immerhin schon ca. 26 Jahre. Wir haben auch schon zusammen einige Ideen entwickelt, wir wir die Neuauflagen wichtiger MBP-Buecher zweisprachig (Kiswahili – Englisch) vielleicht doch durchbringen koennen. Der neue Minister of Education hat nämlich gerade kürzlich verkündet, dass offizielle Politik in Zukunft die Einrichtung rein englischsprachiger staatlicher Primary Schools sein soll! Also reine Elitepolitik – die Kinder der einfachen Leute bleiben auf der Strecke…  Nächste Woche wollen wir unsere Ideen zusammen verschieden Leuten in Dar unterbreiten – mal sehen, was dabei herauskommt.


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