ETHIKER

News Online

Twitter

Twitter
@EthikerNews

ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Mittwoch, 20. September 2017

PHILOSOPHIE
PERSONEN
DOWNLOAD
COMMUNITY
KONTAKT
IMPRESSUM
» ethiker.com kaufen

Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania VI

Manfred Schieß in Afrika

hilfekonkretFortsetzung von: Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania V

In Arusha habe ich noch Dr. Mbiyu von der anamed-Gruppe besucht. Er fuhr mich in die Vorberge des Mt. Meru, wo auf dem sehr fruchtbaren vulkanischen Boden von einem Mitglied der Gruppe eine Farm weitgehend – z.T. in Mischkultur mit Bananen und Bäumen – mit artemisia anamed A3 auf einer Fläche von ca. 1 ha bepflanzt wurde. Leider kann er den größten Teil der Ernte noch nicht lokal absetzen – er geht an eine Firma in Nairobi, die das Artemisinin gegen Malaria extrahiert. Dr. Mbiyu hält Seminare über Artemisia, aber das erreicht noch zu wenig Leute. Er trainiert auch Interessierte in Bienenzucht. Sie können für 90.000 TShs (ca. 50 Euro) einen modernen Bienenkorb erwerben und lernen, wie sie ihn selbst bauen können. Er zeigt auch, wie sie neben dem Honig auch das Wachs, Propolis und Gelee Royal gewinnen können.

Ich will jetzt in Gezaulole (südlich Dar) bei der Frauengruppe klären, ob Artemisia-Anbau und Einsatz zur Malariabekämpfung und Beekeeping  nicht den Frauen zu besserer Lebensqualität und mehr Einkommen verhelfen könnte.

Am FR 15.8. bin ich dann zusammen mit dem Teil meiner Besucher, die den Ol Doynio Lengai nicht besteigen wollten, mit dem Bus nach Dar und am nächsten Tag mit einer langsamen Fähre nach Sansibar gefahren. Auf der Fahrt haben wir vereinzelt an der Südspitze Sansibars Delphine gesehen. Sie sind dort so zahm, dass man mit ihnen schwimmen kann (was wir allerdings nicht versucht haben).

Meine Gäste haben dann an der eintägigen „Gewürztour“ teilgenommen und sind mit der Überzeugung zurückgekehrt, dass Sansibar seinen Ruf als „Gewürzinsel@ wirklich verdient. Dann waren sie noch drei Tage in einem Strandhotel an der Ostküste und haben dort herrliche Sonnenaufgänge, das Schwimmen an (fast) menschenleeren Stränden und das Leben in einem Dorf samt der dortigen Primar- und Sekundarschule genossen.

Ich habe mich vier Tage der Altstadt von Sansibar Town gewidmet. Ich habe zweimal das hervorragende Museum im ehemalign Sultanspalast besucht, das einem Geschichte und Kultur der Waswahili nahe bringt. Vom obersten Stockwerk hatte ich auch einen schönen Blick auf den wohlhabenderen Teil der Stadt. Bemerkenswert ist, dass die „Skyline“ mehr von der zweitürmigen kath. Kirche und der anglikanischen Kirche (die auf dem eh. Sklavenmarkt steht) geprägt ist als von den Minaretts der Moscheen, von denen keines die Kirchtürme überragt! Es herrscht hier schon eine bemerkenswerte religiöse Toleranz, da bei genauem Hinsehen auch Hindutempel durch Türme present sind. Auch ist im Museum eine Briefmarke von 1963 zu sehen, die sich bereits mit diesem Theme Thema befasst hat.

Von der Dachterrasse meines Hotels – eines schönen alten Sansibarhauses – konnte ich dagegen über die Dächer des ärmeren nördlichen Teils der Stadt blicken. Der Kontrast zum Süden könnte größer kaum sein: Fast alle Dächer aus verrostetem Wellblech, viele Häuser zerfallen langsam, das das Geld für ihren Erhalt wohl trotz „UNESCO-Kulturerbe“ fehlt. In den engen Gassen hat mich entsetzt, wie sehr in den letzten drei Jahren der Plastikmüll zugenommen hat. Die Plastiktüten, die einem fast bei jedem Kauf angeboten werden, bläst der Wind wohl von den Müllbergen, die auf Grundstücken zusammengebrochener Häuser eingerichtet wurden. Sie fliegen überall umher – hier hoffe ich ehrlich, dass der steigende Ölpreis diesem Problem, dem ich in allen afrikanischen Städten begegne – ein Ende bereitet! Eine Müllabfuhr und geregelte Entsorgung gibt es offenbar in keiner dieser Städte.
Ich habe mich stundenlang in den engen Gassen und in dem Markt Sansibars treiben lassen. Einersets ist das Leben und die Toleranz hier faszinierend, anderseits ist es ein Jammer, dem schleichenden Zerfall und dem Müll  hier zu begegnen…

Gestern gegen Abend sind wir dann mit einer schnellen Fähre nach Dar zurückgefahren und heute sind die „Nichtbergsteiger“ nach Deutschland abgeflogen.

Die „Bergsteiger“ unter meinen Besuchern haben wir gestern morgen noch kurz in Sansibar – wie vorgesehen – getroffen. Sie sind noch dort und haben eines der letzten intakten Riffe im marinen Park Chumbe Island kennen gelernt. Ich werde sie morgen hier nochmals treffen, am Samstag werden sie zurückfliegen.
Übrigens, der Ol Doynio Lengai hat sich durch seine heftigen Ausbrüche seit unserer Besteigung von 2005 offenbar so verändert, dass er jetzt nur noch von Leuten mit Bergsteigererfahrung zu schaffen ist – und nicht mehr von blutigen Laien wie ich einer bin und es 2005 noch schaffen konnte…

Damit geht mein vierwöchiger Urlaub hier zu Ende, ab Montag werde ich mich wieder voll den verschiedenen Projekten widmen, bis ich voraussichtlich in rund vier Wochen dann auch in Deutschland eintreffen werde…


Größere Kartenansicht

Twitter, Facebook ...

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.

Eigentümer und Herausgeber: Anke Pohl www.ethiker.com Das Copyright für veröffentlichte Publikationen, Objekte und Inhalte der Webseite verbleibt bei den Eigentümern.
Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle wird keine Haftung für die Inhalte externer Links übernommen. © www.ethiker.com
SSL Zertifikate

buero