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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Dienstag, 12. Dezember 2017

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Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania VII

Manfred Schieß in Afrika

Dar es Salaam / Tanzania

hilfekonkret

Fortsetzung von: Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus TanzaniaVI

Unter der Überschrift „Sell out to China“ berichtete das Wochenmagazin „The Express“ als Titelstory am 21.8.08, dass die tanzanische Regierung ihren Anteil von 49% an der Fluglinie Air Tanzania an einen chinesischen Investor verkaufen möchte, der von einem chinesischen Staatsfond kontrolliert wird. Es warnt sehr davor – zumal China schon in etliche illegale Aktivitäten in Tanzania verwickelt sei. So sei China zusammen mit Indien die Hauptquelle für gefälschte Waren (was bei Medikamenten besonders schlimm ist). Auch habe ‚National Geographic‘ letztes Jahr zwei illegale Holzlieferungen an China mit insgesamt 73 Containern aufgedeckt. Auch seien mittlerweile etliche chinesische Kleinhändler z.B. im Kariakoo in Dar tätig, während Kleinhandel nach dem Gesetz rein Tanzanianern vorbehalten ist. Chinesische Firmen beschäftigten auch so gut wie keine Tanzanianer nur Chinesen. „Wenn wir unsere Airline an die Chinesen verkaufen, werden wir jeden Tag das Hereinfluten von Chinesen und von „substandard goods“ per Luftfracht erleben, und keine Wertschöpfung für die lokale Wirtschaft “ sagt Mzirai, ein Dar es Salaam Business Consultant…

Nelson Moyo (der Koordinator von anamed Malawi) war am 20.8. mal wieder in Kambewe – in unserem Projektgebiet. Er berichtet, dass die Leute bereits Zehntausende von Ziegelsteinen für die Krankenstation gebrannt haben – einen solchen Enthusiasmus für ein Projekt wie dort haben wir beide noch nie erlebt! Allerdings kann er noch nicht über Fortschritte bei den malawischen Behörden berichten – hoffentlich enttäuschen diese ihre „vergessenen“ Kleinbauern nicht aufs Neue…

Am 23.8. war ich zusammen mit Elisabeth Malocho nochmals in Gezaulole, einem Dorf ca. 15 km südlich von Dar. Um es zu erreichen, muss man die Hafeneinfahrt von Dar mit einer Fähre überqueren, weshalb es trotz seiner Nähe zu Dar einigermaßen ‚abgelegen‘ ist. Wir haben Juliana, die Sprecherin der dortigen Frauengruppe angetroffen, aber leider nicht Rita (die aus Portugal stammt), die zusammen mit ihrem tanzanischen Mann sich künstlerisch (sie designed Kleider usw.) und in der organischen Landwirtschaft engagiert. Deshalb hatte ich ihr bei unserem ersten Besuch zu Beginn des Monats mein Faltblatt ueber Moringa oleifera (den Baum, dessen Blätter alles enthalten, was ein fehlernährter Mensch braucht) und meine CD mit den einschlägigen PP- Serien dagelassen. Ich habe sie mittlerweile mit meinem Handy erreicht. Sie ist sehr an Moringa interessiert, weshalb wir ein Treffen nächste Woche bei Elisabeth in Dar vereinbart haben, wo ich die PP- Serien vorführen will. In Gezaulole haben wir noch die Krankenschwester der Ambulanzstation angetroffen. Diese und den Medical Assistant der Station möchten wir zu dem Treffen auch einladen, da wir auch gerne über Artemisia annua anamed und Malaria informieren möchten.

Am 25.8. erfuhr ich per SMS, dass ich zum ersten Mal Großvater geworden bin! Unsere jüngste Tochter, Karin, hat ein Mädchen, Cindy, geboren! Ich bin dankbar, dass beide gesund sind. Dieses freudige Ereignis habe ich hier zusammen mit Tairo gefeiert (Journalist und ehem. Schüler von mir), der mich abends besuchte. Abends habe ich auch Mutter und Großmutter telefonisch erreicht und beglückwünscht…

Am selben Tag haben Ndar’lu (der Koordinator ‚unseres‘ Schulbuchverlags, MBP,  in Mzumbe bei Mororgoro) und ich nachmittags einen Vertrag mit Walter Bgoya, dem Chef von Mkuki na Nyota Publishers in Dar, geschlossen. Darin überträgt MBP die Rechte der Veröffentlichung an den Mittelstufen-Chemie- und dem Physik- bzw. Biologie-Sourcebook an Mkuki, solange Mkuki diese Bücher als ZWEISPRACHIGE Ausgaben (Kiswahili – English) herausbringt. Immer die linke Seite soll im Kiswahili, die rechte in Englisch sein. Dabei werden Abbildungen und Tabellen nur im englischen Text gezeigt, sodass mehr Platz für das längere Kiswahili zu Verfügung steht. Die Bücher sollen zunächst von den Autoren gemäß den neuen Lehrplänen überarbeitet werden. Dann sollen sie von Mitgliedern von TUKI, dem Kiswahili Council der Uni Dar, das Fachwörterbücher Englisch – Kiswahili und umgekehrt u.a. für die drei genannnten Naturwissenschaften herausgebracht hat, übersetzt werden.

Da das Publizieren dieser Bücher natürlich viel teurer als das der rein englischen Ausgaben ist, waren wir bereits bei der NRO HAKI ELIMU (‚Recht auf Bildung‘). Die Vorsitzende hat uns zugesagt, die Übersetzung der Bücher im 2009er Haushalt einzubringen und zu unterstützen. Walter, Ndar’lu und ich wollen natürlich noch nach weiteren Unterstützern Ausschau halten, damit die Bücher nicht zu teuer werden. Sie sollen ja ihre Zielgruppe auch erreichen – und das sind die Kinder, die in der Primary School nicht genügend Englisch lernen, um auf der Sekundarschule dem Unterricht in dieser Sprache folgen zu können. Das sind in der Regel nicht die Kinder der wohlhabenden Schicht…

Wir sind uns alle bewusst, dass diese Bücher wahrscheinlich nicht das Siegel von EMAC (der halbstaatlichen Schulbuchkommission) erhalten werden, da die offizielle Politik z.Z. dem gerade entgegenläuft: Der derzeitige Bildungsminister möchte englischsprachige Grundschulen einführen, Kiswahili auf ein Fach reduzieren und damit den großen Vorteil Tanzanias gegenüber vielen anderen Laendern in Afrika – die Lingua franca – aufs Spiel setzen! Walter Bgoya ist entschlossen, die Bücher auch im Fall der Nichterteilung des Siegels herauszubringen. Wir glauben, wenn die Bücher erst mal auf dem Markt sind, wird sich die Debatte darüber nicht mehr bremsen lassen…

Wir wollen nach Möglichkeit auch noch eine weitere Innovation hier einführen: Der Guide zum Chemielehrbuch und die Sourcebooks sollen optional eine CD beigefügt bekommen, auf der wichtige Versuche vorgeführt werden und eventuell noch andere Power Point Serien zum Stoff des Buchs, Internet-Links usw. zu finden sind. Da nicht jeder Lehrer mit Computern umgehen kann, soll diese CD zusätzlich zum Buch erworben werden können, wobei in diesem unübersehbar auf die CD hingewiesen wird.

Am 26.8. hat mich abends John Mihigo, mein Nachfolger im MBP und der Vorgänger von Ndar’lu, besucht. Und welche Überraschung: Er brachte Herrn Msaki mit, der in den 80er Jahren, als wir MBP gründeten, zuerst Director auf Secondary Education und später Principal Secretary im Ministry of Education war. Ihn hatte ich seit meiner damaligen Abschiedsfeier im Juli 1989 nicht mehr gesehen! Ich wusste nur, dass er seit Jahren pensioniert ist. Das war eine Freude! Da waren praktisch nach so vielen Jahren mal alle drei ‚Väter‘ des MBP wieder zusammen. Ohne Msaki im Ministerium wäre MBP niemals lebensfähig entstanden – er war ein wirklicher Glücksfall: Unbestechlich, sehr engagiert und das alles damals bei einem ‚Gehalt‘ von damals ca. 80 DM! Diese Eigenschaften sind nach der Wahrscheinlichkeit zusammen so gut wie nie zu finden – und wir haben sie gefunden!

Aber auch ohne Mihigo hätte es MBP mit Druckerei nie gegeben: Als 1989 kurz nach meinem Weggang der tanzanische Drucker, der die Druckerei aufbauen sollte, an AIDS starb, fürchtete ich, dass die Druckmaschinen, die damals erst im Hafen in Dar angekommen waren, dort verrotten würden. Hatte ich doch nie gedacht, dass Mihigo sich darum kümmern müsste und ihn entsprechend auch darauf nicht vorbereitet. Doch er warb den Benediktinern in Ndanda im Süden Tansanias zwei fast fertige Auszubildende ab, die dort auf Heidelberger Druckmaschinen gelernt hatten. Er liess sie noch von einem Drucker aus Dar zwei Wochen vor Ort trainieren und schaffte damit den Start der Druckerei!

Beide, Mihigo und Msaki, zeigten sich auch sehr interessiert an Moringa und Artemisia A3, sodass wir schließlich noch in Mihigos Büro gingen. Dort führte ich die entsprechenden PPPs vor und gab Msaki noch eine CD zur Verbreitung in Moshi mit, wo er jetzt wohnt. Mihigo erhielt alles auf seinem Memory-Stick. Mihigo ist nicht mehr bei Mture Publishers, sondern er ist nun der Tanzania-Repräsentant eines kenyanischen Verlags, dessen Buro in Walking Distanz vom YMCA (wo ich wohne) ist.
Am Donnerstag habe ich auf Vermittlung von Elisabeth Malocho einen Manager der Tanzania Food and Drugs Agency des Ministry of Health getroffen und ihm Moringa vorgestellt. Er erklärte uns allerdings, dass seine Organisation nicht zuständig sei, da wir kein Business mit diesen Pflanzen betreiben wollten… Sie hätten nur kommerziell vertriebene Produkte zu kontrollieren.

Ich hoffe Mihigo morgen wieder zu treffen, wenn ich mit den Autoren von ‚Enjoy Chemistry‘ das weitere Vorgehen besprechen moechte. Am Montag treffen wir uns dann wieder im Office von Mkuki.


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