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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus Tanzania VIII

Dar es Salaam / Tanzania

hilfekonkret

Fortsetzung von: Entwicklungshilfe konkret – Berichte aus TanzaniaVII

Heute möchte ich zunächst über die ‚Globalisierung für unten‘ berichten, die der Mobilfunkanbieter Zain aus Kuwait (früher Celtel) hier betreibt: Zain-Kunden können mittlerweile in etwa 22 Ländern Afrikas und des Nahen Ostens ihr Handy benutzen, ohne irgendwas ändern zu müssen. Sie werden beim Grenzübertritt automatisch wie ein im jeweiligen Land gemeldeter Mobilfunknutzer behandelt und sind auch unter ihrer bisherigen Nummer zu lokalen Tarifen für Anrufer aus diesen Ländern erreichbar. Ich habe das bei Nelson erlebt, als wir von Malawi nach Tanzania kamen. Er konnte auch mit lokalen Tarifen seine Freunde in Malawi anrufen. Das ist, soweit ich weiss, bisher einmalig, dass ein so großes Gebiet – und zum größten Teil arme Entwicklungsländer – so zusammengeschaltet sind! Ein – wie ich meine – Beispiel für eine sinnvolle Globalisierung, die allerdings natürlich auch Fundamentalisten nutzen können…

Jetzt zu den erschreckenden Korruptionsskandalen der Regierung Kikwete, die seit 2005 in Tz im Amt ist. Die hiesigen Zeitungen sind – zum Glück – voll davon, so dass auch der Neuling im Land einen umfassenden Eindruck bekommt. Drei große Skandale:

1. RICHMOND, so heißt die Briefkastenfirma – wie sich herausgestellt hat -, der die staatliche Elektrizitätsgesellschaft seit 2006 ca. 150 Mio $ für ein 100 MW Standby-Kraftwerk bezahlt hat, das nie gebaut wurde. Zwei Minister und einige hohe Regierungsbeamte stehen im Verdacht der Korruption, sie wurden entlassen, aber noch kein Gerichtsverfahren eröffnet, was die Presse der Regierung sehr ankreidet. Sie hat bisher die Verdächtigen lediglich aufgefordert, ihre Rolle in dem Skandal schriftlich zu erklären…

2. EPA: Von dem External Payments Arrears (EPA) account der Bank of Tanzania (BOT) wurden mit gefälschten Papieren 2006 und 07 ca. 110 Mio $ an 22 Firmen bezahlt. Der Chef der BOT hat sich im letzten Jahr, bevor der Skandal aufflog, in die USA abgesetzt und scheint dort gestorben zu sein – so richtig weiss das niemand! Wieder hat die Regierung bisher kein Verfahren gegen die Verdächtigen, die mit Namen und Fotos in manchen Zeitungen gezeigt werden, eröffnet u.a. mit dem Ziel, Vermögen einzuziehen. Sie hat vielmehr die Firmen nur aufgefordert, das illegal erworbene Geld zurückzubezahlen, was bisher zur Rückzahlung von ca. 40 Mio $ geführt hat. Man hat hier wirklich den Eindruck, dass der Fisch ganz gewaltig am Kopf stinkt, da alles so mit Samthandschuhen angepackt wird…

In beiden Fällen wurden Untersuchungskommissionen eingesetzt, die wohl ganz gut gearbeitet und auch Empfehlungen an die Regierung gegeben haben, die aber bisher kaum umgesetzt wurden. Nur gut, dass es die Presse gibt, die doch gewaltig Druck macht!

3. Die Twin Towers der BOT, die die Skyline von Dar prägen: Klein-Frankfurt lässt grüßen! Sie sollten, als sie vor 8 Jahren geplant wurden, ca. 80 Mio $ kosten. 2006 sagte der damalige Finanzminister, sie würden bei Fertigstellung auf 171 Mio $ kommen. Als sie allerdings fertig waren, hatten sie nun das Land 340 Mio $ gekostet! Hier wird jetzt auf Druck der Presse z.Z. gerade eine Untersuchungskommission eingesetzt… (Ganz davon abgesehen, ob ein so ‚armes‘ Land überhaupt solche Verwaltungspaläste braucht. Ein Kommentator schrieb in einer hiesigen Zeitung “ You can’t fight poverty with skyscrapers“.)

Ferner zeigte sich laut dem Referat eines Uni-Prof von Dar, dass bei Korruptionsfällen von Mitgliedern des Parlaments bei solchen der Regierungspartei praktisch keine Konsequenzen gezogen wurden, während Oppositions-MPs (z.B. aus Zanzibar) ihren Sitz verloren und vor Gericht gestellt wurden!

Also ganz üble Tendenzen in Tz. Es schmerzt mich sehr, wenn ich sehe, was ein Teil der Oberschicht hier mittlerweile treibt, und der Staatsanwalt nicht unabhängig genug ist, um einzuschreiten! Man kann nur hoffen, dass der öffentliche Druck, diese Korruption ganz oben wieder zurückdämmen kann.. Auch die ausländischen Geldgeber können hier natürlich etwas tun, indem sie die Gelder z.B. für den Staatshaushalt blockieren, der immerhin zu etwa 40% von Gebern getragen wird. Dies ist z.Z. der Fall. Natürlich betrifft dies den ‚kleinen Mann‘ am stärksten, wenn also Kikwete nicht endlich richtig ausmistet und damit die Blockade aufhebt… (wie ein Kommentator ausführte).

Am 30.8. habe ich nochmals Yahya Msangi, den Sekretär der Landarbeitergewerkschaft getroffen. Er erzählte mir, dass in verschiedenen Gegenden Tzs ausländische Firmen jetzt Großfarmen mit Jatropha anlegen, um das Öl als Dieselersatz zu exportieren, z.B. Niederländer in der Gegend von Mtwara, Malaysier bei Kigoma. Prokon hat keine Großfarm, nur ein Versuchsfeld, arbeitet sonst nur mit den Kleinbauern bei Mpanda.

Inwieweit durch diese Entwicklungen schon Nahrungskonkurrenz auftritt, können wir (noch) nicht beurteilen. Jedenfalls sollte Tanzania erst mal seinen eigenen Bedarf decken, indem es z.B. dem Diesel Jatrophaöl beimischt, was zunächst ja ohne jede technische Änderung der Motoren möglich ist und dem Land Devisen sparen könnte. Zu fürchten ist allerdings, dass bei den Verträgen für die Großfarmen auch wieder Korruption im Spiel ist und daher das Land im Endeffekt vielleicht wieder so gut wie nichts dadurch gewinnt! Das ist ja offenbar beim Goldabbau so, der durchweg von ausländischen Firmen durchgeführt wird, und Tz wohl nur 3% „Royalties“ einbringt, wie die Presse berichtet… Leider sind Bodenschätze in Afrika oft eher ein Fluch als ein Segen, weil sie alle Gauner anziehen…

Msangi will übrigens versuchen, Moringa-Blattpulver über Frauengruppen der Gewerkschaft zu verbreiten. Ein findiger Geschäftsmann bietet es – wie Elisabeth Malocho und Ndar’lu entdeckt haben -bereits für 2000 bis 3000 Shs das Päckchen an (z.Z. 1700 Shs = 1 E).

Bei Elisabeth habe ich am Dienstag dem Medical Assiostant von Gezaulole und dem Paar, das dort organischen Landbau betreibt, die PPPs über Artemisa A3 & Malaria bzw. Moringa & Malnutrition vorgeführt und ihnen Flyer und CDs gegeben. Das Paar möchte beide Pflanzen anbauen. Elisabeth hat ihnen bereits Moringa-Samen gegeben, Artemisia A3-Stecklinge müssen wir noch organisieren, da sie bislang in Tz nur bei anamed in Mwanza und Musoma am Victoriasee zu haben sind. Übrigens hatte Mihigo lange, bevor ich ihm von anamed berichtete, in Arusha zufällig eines der Bücher von Dr. Hirt gekauft.

Bezüglich der zweisprachigen Schulbücher habe ich am letzten Sonntag einen Teil der tanzanischen Autoren getroffen, mit den anderen steht Ndar’lu zumindest in Telefonkontakt. Auch haben wir wieder bei Mkuki getagt.

Mihigo ist nicht mehr bei Mture, er hat zu Ujuzi Books, der Tochter eines kenyanischen Verlags, gewechselt. Er ist hier der ‚Country Manager‘ und bekommt das fünffache Gehalt wie vorher!

Nach dem neuen Lehrplan bringen wir nun für jede Form getrennte zweisprachige Bücher heraus, da sie andernfalls zu teuer und unhandlich werden.

Die Autoren, die noch mitmachen wollen, werden mir ihre Änderungsvorschläge mailen, ich werde das bisher für Form I und II gedachte Buch teilen und neu getrennt gemäß den neuen Lehrplänen von 2007 als Form I-  und Form II-Buch herausgeben.  Gleichzeitig soll an ‚Enjoy Biology‘ für Form I gearbeitet werden. Gestern haben wir ein Team dafür zusammengestellt. Eine der Autorinnen hat sogar schon ein grobes Manuskript dabei gehabt! Wenn ‚Enjoy Ch‘ fuer Form I soweit ist, dass die Übersetzung ins Kiswahili und das Layout in Dar gemacht werden können, werde ich ‚Enjoy Physics I‘ herausgeben, für das ein Manuskript bei mir in D liegt.

Sollten diese Bücher einen guten Markt finden, wollen wir mit den Bänden für Form II bis IV weitermachen. Alle Bücher sollen jetzt vierfarbig werden und in Indien gedruckt werden, da das die Kosten berträchtlich senkt. Albano Mdachi soll wieder die Illustrationen und das Layout machen, Ndar’lu hat bereits mit ihm gesprochen. Er will uns beim Preis entgegenkommen, da er sich APDW doch verbunden fühlt, das seine Ausbildung in GB weitgehend finanziert hat…

Die Sourcebooks werden wir ruhen lassen, da – außer von ausländischen Volunteers – leider keine Nachfrage besteht, wie Ndar’lu eindeutig in  den letzten Jahren feststellen musste. Wir wollen aus ihnen, was zusätzlich noch gut in die neuen Textbooks passt, dort in die ‚Do it youself‘ Sections bringen.

Am  Mittwochabend (3.9.) war ich zusammen mit Elisabeth Malocho zur (Wieder)Eröffnungsfeier des Goethe-Instituts im Botanischen Garten in Dar eingeladen. Das Institut war ja vor 10 Jahren aus Kostengründen geschlossen worden. Bei dieser Feier habe ich auch zufällig Albano Mdachi (unseren früheren ‚Chefgrafiker in MBP) wieder getroffen. Wir wollen (Ndar’lu hat bereits einen Vergleich mit anderen Angeboten durchgeführt) die neuen Bücher wieder von ihm grafisch betreuen lassen.

Am Morgen dieses Tages traf ich durch Vermittlung von Elisabeth Dr Kabati von der Trad. Medicine Unit der Uniklinik Muhimbili und führte ihm die PPPs über A3, Jatropha und Moringa vor. Ich ließ ihm eine CD, um damit mit seinen Studenten zu arbeiten. Er ist sehr aufgeschlossen und wird das sicher gut machen. Er vermittelte mich auch gleich an Dr Malibo weiter, der im National Institute of Medical Research arbeitet. Ihm und zwei Kollegen führte ich am FR 5.9. die PPPs vor, die auch hier sehr gut ankamen. Er vermittelte mich zum Stellvertr. Direktor der Trad. Medicine Unit des Ministry of Health, Dr Mtimba, den ich am MO 8.9. treffen werde. Beim Abschied fragte er mich, wo ich in Tz gearbeitet hätte. Als ich MBP erwähnte, sagte er sofort, er habe u.a. mit unserem Org. Chemiebuch ein gutes Examen als Chemiker gemacht! Das freute mich natürlich ungemein,  war dies doch unser erstes Buch, das wir 1986 beim Tanzania Publ. House unter Walter Bgoya herausbrachten und das seit mehr als 10 Jahren vergriffen ist.

Da ich keine Zeit habe, eine Neuauflage zu machen, fragte ich ihn, ob er nicht zusammen mit Prof. Nkunya (einer der tz. Autoren von der Uni Dar, mittlerweile emeritiert) dieses Buch vielleicht neu herausbringen möchte. Er sagte gleich begeistert zu und möchte – wenn irgend möglich noch vor meinem Abflug aus Dar am 10.9. – ein Treffen mit Prof. Nkunya organisieren, damit wir alles besprechen können. Er arbeitet oft beruflich mit Nkunya zusammen und kennt ihn gut, während ich den Kontakt in den letzten Jahren verloren hatte. Ich habe ihn bei Walter Bgoya of Mkuki Publ. gestern eingeführt. Der ist geradezu ’scharf‘ auf die Neuausgabe dieses Buchs, da er und Mihigo in den letzten Jahren immer wieder nach diesem Buch gefragt worden waren. Da besteht offensichtlich eine große Nachfrage!

Noch etwas war einmalig bei diesem Besuch bei Dr Malibo: um 10.30 Uhr wurden in sein Büro – wie jeden Tag – Schalen mit einem reichhaltigen, frischen Obsalat gebracht und ich wurde dazu eingeladen. Das ist mir noch in keinem Büro bisher untergekommen, ich habe es sehr genossen.

Aus Malawi berichtet Nelson Moyo, dass in Kambewe (unserem Projektgebiet) eine solche Nachfrage nach Schule besteht, dass er seine Nichte Florence, die Form IV (Mittl. Reife) hat, zunächst mal provisorisch dort postiert hat, um mit den Kindern ‚Schule zu machen‘. Sie wird von den Leuten dort beherbergt und verköstigt und hat von einer Schule außerhalb Material bekommen, das einer der Ortsvorsteher besorgt hat. Sie unterricht jetzt morgens im Freien 131(!) Erstklässler. Wir hoffen sehr, dass die Regierung nun bald einsieht, dass sie hier etwas tun muss. Ansonsten hat sich bei den Behörden bezüglich des Gesundheitsprojektes noch immer nichts bewegt…

Gestern Morgen habe ich einen Leserbrief an die hiesigen englischsprachigen Zeitungen gemailt:

„I am a German who worked for some years in Tanzania and likes the country since 1970. Every few years I enjoy the hospitality of the people of Tanzania and her beauty as a tourist. I read in the papers that Tanzania earns about 17% of its GNP through tourism and strives for more. However I am amazed when I see e.g. in Bagamoyo and the northern part of Stone Town in Zanzibar old houses left to decay. Where houses already have collapsed, mostly big garbage heaps are found. Plastic bags and bottles are often carelessly spread in the streets. In Bagamoyo even the Old German Boma will soon only be a rubbish heap! I fear that the photographes which tourists show at home of such horrible sights will give Tanzania the image of negligence and on the long run will kill tourism in these towns. Are the town councils of Bagamoyo and of Stone Town really not able to maintain old houses in their beauty and to organize a rubbish collection which prevents garbage from being scattered in streets?

Manfred Schiess, Germany,
currently in Tanzania“

Tairo hat ihn an die National Tourism Commission of Tz weitergeleitet, mal sehen, ob er etwas bewirkt…

Auch habe ich noch einen Zeitungsartikel über Moringa and Malnutrition geschrieben, den Tairo nächsten Donnerstag im ‚Express‘ veröffentlichen will. Für letzten DO hat es leider nicht mehr gereicht, da Tairo auf Dienstreise in Dodoma war.

Dies ist wahrscheinlich mein letzter Bericht aus Tz, da ich nächsten Mittwoch nach Addis fliege, um in Äthiopien noch Projekte zu besuchen.


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