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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Forscher warnen vor Wetterexperimenten

Ozonzerstörung durch Geo-Engineering

Jülich/Boulder

Die Folgen des globalen Klimawandels werden in den kommenden Jahrhunderten zu den größten Problemen der Menschheit gehören. Hauptursache ist nach gegenwärtigem wissenschaftlichen Verständnis der von Menschen verursachte anthropogene Treibhauseffekt.

geoengineering

Abbildung: Forschungszentrum Jülich

Um die globale Erwärmung aufzuhalten, denken Experten nicht nur über nötige radikale Verhaltensänderungen nach, sondern ziehen ernsthaft auch großtechnische Maßnahmen in Betracht, deren Folgen wiederum nicht abschätzbar sind.

Wissenschaftler vom US-amerikanischen nationalen Atmosphärenforschungszentrum in Boulder und ihre Kollegen vom deutschen Forschungszentrum Jülich warnen jetzt vor einem solchen Geo-Engineering.

Die geplante Injektion von Sulfatpartikeln in obere Atmosphärenschichten zur Abschwächung des Treibhauseffektes würde die vor UV- Strahlung schützende Ozonschicht an den Polen gravierend schädigen. Die Ergebnisse ihrer Computermodell-Simulation veröffentlichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Science („The sensitivity of polar ozone depletion to proposed geoengineering schemes“, Simone Tilmes, Rolf Müller, und Ross Salawitch, Science Express, 10.1126/science.1153966).

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass dieser Ansatz einer künstlichen Verringerung der globalen Erwärmung große Risiken mit sich bringen würde“, so Simone Tilmes, Hauptautorin der Studie und Klimaforscherin am National Center for Atmospheric Research in Boulder (NCAR).

Erste konkrete Ideen zur Wetterbeeinflussung entstanden bereits in den 50er Jahren im Rahmen der Forschung des US-Militärs an der „Klima-Kriegsführung“.

Neben inzwischen etablierten wenn auch nicht unumstrittenen Methoden der Wettermodifikation wie z.B. Wolkenimpfung durch Kondensationskerne, kamen in den folgenden Jahrzenten die abstrusesten Überlegungen auf. So träumten die Sowjets davon, mit Kerwaffen, großflächig aufgebrachten Rußpartikeln oder einem riesigen Damm zur Absperrung der Beringstraße ihren arktischen Norden aufzutauen, um ihn wirtschaftlich nutzen zu können.

Eine nicht weniger größenwahnsinnig anmutende militärische Studie der US Air Force von 1996 mit dem vielsagenden Titel „Owning the Weather in 2025“ bezeugt die von Allmachtsphantasien geprägten Bestrebungen der Auftraggeber.

Neben militärischen Interessen sorgten zunehmend Alarmmeldungen von der Klimafront für Forschungsprojekte rund um die Wetterbeeinflussung.

Der US-Physiker Edward Teller berüchtigt als „Vater der Wasserstoffbombe“ schlug 1997 die Installation von riesigen Sonnenschirmen im Weltall vor, welche die Einstrahlverhältnisse und damit auch die Solarkonstante verändern sollten.

Ein weiterer Vorschlag war, die Rückstrahlung des Sonnenlichts von der Wasseroberfläche durch schwimmende, reflektierende Partikel auf den Ozeanen zu verändern. Um die Bildung von tropischen Wirbelstürmen zu verhindern wurde zur Vermeidung der Wasserverdunstung und der damit einhergehenden Energieaufnahme sogar ernsthaft in Erwägung gezogen, entsprechende Meeres-Regionen mit einer dünnen Ölschicht zu versehen. Ebenfalls im Gespräch war eine Düngung der Ozeane mit Eisenstaub, um den Algenwachstum und damit die CO2-Aufnahme zu verstärken.

2006 erregten nun die aktuell diskutierten Vorschläge des Chemienobelpreisträgers Paul Crutzen  Ausehen, der vorschlug, einen bereits 1991nach dem Ausbruch des Vulkans Mount Pinatubo entdeckten Effekt auszunutzen. Wissenschaftler hatten festgestellt, dass die Erdmitteltemperatur durch die in die Atmosphäre ausgestoßenen Sulfatpartikel sank.

Nach dem von Crutzen entworfenen Szenario könnte durch in die Stratosphäre geschossene Sulfat-Aerosolteilchen wirksam ein Teil des Sonnenlichtes reflektiert werden. Für diese Radikalkur würden jährlich ca. 5 Millionen Tonnen Nachschub an Sulfatpartikeln benötigt, um eine Verdoppelung der Kohlendioxidmenge in der Atmosphäre zu kompensieren.

Diese Therapie hätte allerdings heftige Nebenwirkungen, wie jetzt die Jülicher Atmoshärenforscher zusammen mit ihren US-amerikanischen Kollegen nachwiesen.

So würde sich das stratosphärische Chlor durch die Sulfatpartikel chemisch verändern und eine rapide Ozonzerstörung verursachen. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Ozonschicht über der Arktis könnte so vernichtet werden.

„Die möglichen Auswirkungen von Geo-Engineering auf Ozonschicht und Klima müssen viel besser erforscht werden. Wir stehen hier erst am Anfang“, warnte Rolf Müller vom Forschungszentrum Jülich deshalb die eifrigen Wettermacher.

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