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Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier

Veränderungen der belebten Umwelt:

Frankfurt am Main

LOEWEFlöhe, Stechmücken und Zecken sind als Überträger verschiedener Krankheiten bekannt. Bekannt ist auch, dass Insekten ernst zu nehmende Erkrankungen übertragen. Nicht zuletzt deshalb lassen zwei Funde von neu nach Deutschland eingewanderten Mückenarten aufhorchen. Beunruhigend sind auch die Nachweise von West- Nil- und Usutu- Viren in unmittelbar benachbarten Ländern, wie Frankreich und Österreich. Klimawandel und Globalisierung lassen grüßen: Auch die asiatische Tigermücke hat bereits einen Dauerwohnsitz in Italien und der Schweiz. Die belebte Umwelt verändert sich. Einwandernde Überträger und neue Erreger bringen neue Gefahren für die Gesundheit. – Was tun?
Dieser Frage gingen bis zum vergangenen Wochenende 80 Wissenschaftler aus Europa, Afrika und Asien am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt nach. Im Fokus der gemeinsam vom LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Entomologie und Acarologie (DGMEA) ausgerichteten Tagung standen die Risiken, die durch zuwandernde Überträger (Vektoren) und neue Erreger für Tiere und Menschen zu erwarten sind. Neben dem Austausch von Forschungsergebnissen wurde über die Faktoren, die diese komplexen Veränderungen in der belebten Umwelt auslösen und den sich daraus ergebenden, dringend erforderlichen Forschungsbedarf diskutiert. Um die Brisanz des Themas auch aus medizinischer Sicht zu beleuchten, waren auch Wissenschaftler vom Klinikum und Fachbereich Medizin der Goethe Universität Frankfurt im Rahmen einer Kooperation direkt eingebunden.

Nach Auffassung der Experten gehören Klimawandel und Globalisierung zur größten globalen Gesundheitsbedrohung dieses Jahrhunderts. Zu beobachten ist, dass Überträger (Vektoren) und mit ihnen auch die Erreger von Infektionskrankheiten, die sonst eher in tropischen Regionen vorkommen, nun zunehmend auch in nördlichen Arealen auftauchen. Der durch Stechmücken auf Vögel und Menschen übertragbare Erreger für das West-Nil-Fieber wie auch die das Denguefieber übertragende asiatische Tigermücke stehen in Deutschland quasi schon vor der Haustüre. Die Frage ist demnach nicht ob, sondern wann sie hier nachgewiesen werden.

„Die Natur unterliegt einem ständigen Wandel. Doch durch den Einfluss des Menschen beschleunigen sich diese Prozesse. Veränderungen in der Umwelt vollziehen sich in rasantem Tempo. Dazu trägt der Klimawandel ebenso bei, wie die expansive Landnutzung und die Zunahme des Personen- und Warenverkehrs“, erläutert Dr. Ulrich Kuch die auslösenden Faktoren. Nach Auffassung des BiK-F-Wissenschaftlers geht es jedoch nicht nur darum, Fakten zu registrieren, sondern vor allem Ursachen und Wechselwirkungen genauer zu analysieren und besser zu verstehen.

Feucht-milde Winter und heiße Sommer mit warmen Nächten schaffen ideale Bedingungen für das Überleben der aus südlichen Gefilden nach Mitteleuropa eingeschleppten Organismen. Die Wissenschaftler sind sich darin einig, dass eine realistische Einschätzung der weiteren Entwicklung wie auch die Bildung vorbeugender Maßnahmen zu den großen Herausforderungen für die Zukunft der Menschheit zählen. Dazu gehören auch genaue Analysen und Nachweise sowie eine Überwachung der verschiedenen, an diesem komplexen Zusammenspiel beteiligten Mechanismen.

Die durch Insekten übertragenen Erreger sind für Tiere, oft aber auch für den Mensch ein Risiko. Nicht unwahrscheinlich ist, dass auch heimische Tierarten zunehmend „Kompetenzen“ entwickeln, die sie zu Überträgern werden lassen. Um jedoch gezielt gegensteuern zu können, sind umfassende Untersuchungen und eine besondere Expertise erforderlich.

„Dringend notwendig wäre, mehr über die Verbreitung und Biologie der zuwandernden, Erreger tragenden Vektoren zu wissen“, erklärt Professor Michael Faulde vom Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. „Dazu gehört aber auch, dass im Fach der Medizinischen Entomologie wesentlich mehr junge Wissenschaftler ausgebildet und berufliche Perspektiven geschaffen werden. Sonst kommt es in Deutschland auf diesem Gebiet schon bald zu einer Lücke zwischen den Generationen, die eklatante Wissensverluste zur Folge hat.“

Seit dem Erlöschen der auch in Deutschland bis Mitte des zurückliegenden Jahrhunderts vorkommenden Malaria wurde die Medizinische Entomologie vernachlässigt und bietet heute wenig attraktive Perspektiven, so dass gut ausgebildete Wissenschaftler abwandern. Schon lange steht die Forderung im Raum, den Forschungszweig wieder zu stärken. Auch während dieser Tagung, die mit einem informativen öffentlichen Vortrag für die Allgemeinheit startete, wurde die Wiederbelebung der Medizinischen Entomologie von den Wissenschaftlern als wesentliche Voraussetzung für den zielgerichteten Umgang mit den bevorstehenden Herausforderungen betrachtet.

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Webtipp: >> http://www.senckenberg.de/

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