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Informationen über Aktien- Rückkäufe oft wenig transparent

Volumen zwischen 2005 und 2008 verdreifacht

Düsseldorf

hans-boecklerGroße Unternehmen in Deutschland haben in den Jahren vor der Krise immer mehr eigene Aktien aufgekauft. 51 der 160 in Dax, MDax, SDax und TecDax gelisteten Unternehmen erwarben von Januar 2005 bis September 2008 eigene Aktien. Für den Besitz an sich selbst gaben sie in diesem Zeitraum rund 49,6 Milliarden Euro aus. Damit folgen die deutschen Manager einem internationalen Trend, zeigt eine Studie des Saarbrücker Info- Institutes im Auftrag der Hans- Böckler- Stiftung. Solche Aktienrückkäufe sind aber nicht unproblematisch, weil sie zulasten von Investitionen gehen können und nicht selten wenig transparent ablaufen. Es gibt ein starkes persönliches Eigeninteresse der Manager an diesem Instrument. Strengere Informationspflichten für das Management können die Risiken begrenzen.

Aktienrückkäufe gewinnen weltweit an Bedeutung, dokumentiert die Studie des Info-Instituts-Forschers Markus Sendel-Müller. In den USA hat sich die Summe der zurückgekauften Aktien von 2000 bis 2008 mehr als verdreifacht. In Deutschland wuchs das Volumen von Aktienrückkäufen in Dax, MDax, SDax und TecDax zuletzt noch schneller: Von knapp 6,6 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf gut 19,6 Milliarden zwischen Januar und Ende September 2008. Dabei waren Käufe eigener Anteile in der Bundesrepublik bis 1998 nur in Ausnahmefällen erlaubt – eine Folge der negativen Erfahrungen während der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1931. Derzeit sind Käufe bis zu zehn Prozent des Grundkapitals möglich.

Der Wert der in Deutschland zurückgekauften Aktien belief sich 2008 auf 44,4 Prozent aller Ausschüttungen (Rückkäufe und Dividenden). Das liege aber vor allem an wenigen großen Rückkauf-Programmen, so Sendel-Müller. Allein die vier Unternehmen mit den größten Rückkauf-Aktivitäten zwischen 2005 und 2008 – die Daimler AG, die Deutsche Bank, Eon und die BASF- sorgten für ein Volumen von gut 26 Milliarden Euro. Insgesamt bleibe die Dividende in Deutschland „der wesentliche Weg, um Liquidität an die Aktionäre auszuzahlen“. Der Betriebswirt erwartet nicht, dass der Aktienrückkauf wie in den USA wichtiger als die Dividenden wird. Nur wenige Unternehmen – einige TecDax-Firmen und Puma in einem Jahr des Untersuchungszeitraums – schütteten ihre Gewinne vornehmlich via Rückkäufe an die Aktionäre aus.

Unternehmen erwerben eigene Aktien aus mehreren Gründen. Managern zufolge ist der wichtigste, dass sie eigene Aktien als Zahlungsmittel bei künftigen Firmenkäufen einsetzen wollen. Oder das Management nimmt Aktien vom Markt, um weniger anfällig gegen aggressive Investoren und feindliche Übernahmen zu sein. Oft möchte es auch dem Kapitalmarkt ein Signal geben, dass es das Unternehmen an der Börse für unterbewertet hält, ergänzt Sendel-Müller. Eine Rolle spiele außerdem das Credo des Shareholder-Values: Man solle nur dann investieren, wenn sich der Wert des Eigenkapitals tatsächlich steigern lässt. Andernfalls zahlt man lieber das Geld an die Aktionäre aus. Vor allem aber gilt: Aktien sind neben Dividenden die zweite große Form der Ausschüttung. Die Zahl der Aktien im Umlauf sinkt und die Wertpapiere der verbleibenden Anteilseigner werden damit wertvoller.

Ein zwiespältiges Instrument, analysiert der Experte. Denn egal, aus welchem Grund ein Unternehmen eigene Aktien erwirbt: Es fließt Geld aus dem Unternehmen ab und wird nicht investiert. Das bedeutet, so der Betriebswirt, „dass das Management seiner Aufgabe, der Identifizierung von renditeträchtigen Investitionsprojekten nicht erfolgreich nachgekommen ist.“ Aktienrückkäufe spiegelten auch die Ideenlosigkeit der Vorstände wider. Allerdings könne er keine gesicherte Aussagen treffen, in welchem Umfang Aktienrückkäufe Investitionen verhindert haben.

Das Eigennutz-Kalkül mancher Manager mache Aktienrückkäufe zudem problematisch. Werden Aktien vom Markt genommen, dann steigert das just die Kennzahlen, die Analysten vornehmlich für ihre Unternehmensbewertung heranziehen: den Gewinn je Aktie und die Eigenkapitalrentabilität. Gemeinsam mit der Verknappung der Aktien trägt das dazu bei, dass Rückkäufe meist eine Erhöhung des Börsenwertes nach sich ziehen. Solche Praktiken schadeten den Unternehmen, so Sendel-Müller: „Im Extremfall können Vorstände dazu neigen, an Stelle von notwendigen Zukunftsinvestitionen lieber ein Rückkaufprogramm durchzuführen, weil dies eben ihrer individuellen Zielerreichung dienlich ist, letztlich aber zulasten der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens geht.“

Fehlende Transparenz begünstige solche Vorgänge. Der Betriebswirt vom Info-Institut schildert, warum es dazu kommen kann: Derzeit lassen sich Vorstände einmal im Jahr von der Hauptversammlung eine Blanko-Vollmacht zum Kauf von Unternehmensanteile ausstellen. Diese Ermächtigung werde zwar regelmäßig nicht eingelöst; wenn Manager aber die Vollmacht nutzen, dann tun sie das mit unterschiedlicher Transparenz. Manche Unternehmen wie etwa Thyssen-Krupp informieren die Anleger und Aufsichtsräte vorbildlich, so der Wissenschaftler. Andere jedoch begnügen sich mit einer knappen und versteckten Mitteilung im Internet, die sofort nach Abschluss der Käufe aus dem Netz genommen wird.

Sendel-Müller regt an, die Publizitätspflichten auszubauen. So sollten umfangreichere Informationen im Geschäftsbericht zur Pflicht werden, ebenso dauerhafte Angaben auf der Homepage, die ohne lange Suche gefunden werden können. Der Info-Experte spricht sich dafür aus, Regelungen für mehr Transparenz mindestens als Empfehlungen in den Corporate Governance Kodex aufzunehmen. Noch effektiver sei es, den einschlägigen Paragraphen 71 im Aktiengesetz zu ergänzen.

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Webtipp: >> www.boeckler.de

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