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Jede fünfte Pflanzenart bedroht

Klimawandel – Umweltforschung

Halle / Potsdam

Verlierer des Klimawandels: Die Fichte (Picea abies) ist an kühle und luft-feuchte Bedingungen angepasst, die künftig voraussichtlich in kleineren Teilen Deutschlands herrschen werden. Trockenstress kann die Baumart anfälliger für Schädlinge und Sturmschäden machen.Foto: Tilo Arnhold/UFZ

fichte

Bis zum jahr 2080 könnte in Deutschland jede fünfte Pflanzenart Teile ihres heutigen Verbreitungsgebietes verlieren. Das geht aus einer Studie von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des französischen Laboratoire d‘ Ecologie Alpine hervor. Mit Computermodellen haben die Forscher simuliert, wie sich Klimawandel und globale Erwärmung auf die Flora in Deutschland auswirken könnte.

Als Folge des Klimawandels werden die Vorkommen der Arten neu verteilt. Dies könnte die Vegetation vor allem im Südwesten und im Osten Deutschlands stark verändern. Die Forscher um Sven Pompe vom UFZ haben die Verbreitungsgebiete von insgesamt 845 Europäischen Pflanzenarten in drei verschiedenen Zukunftsszenarien modelliert und erfasst, wie sie sich in Deutschland verschieben. Selbst bei moderatem Klimawandel und geringen Veränderungen der Landnutzung sei damit zu rechnen, dass die Flora geschädigt wird, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Biology Letters“. Die Untersuchung zeigt, wie wichtig es ist, die Erwärmung auf zwei Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau zu begrenzen, um eine große Biodiversität der pflanzlichen Artengemeinschaft erhalten zu können.

Das Forscherteam, dem auch Franz Badeck vom PIK angehörte, nutzte Klima- und Landnutzungsszenarien bis 2080, denen mögliche Temperaturerhöhungen von 2,2, 2,9 oder 3,8 Grad Celsius zugrunde liegen. Die Auswirkungen des klimatischen Wandels führen zu lokalen Verlusten in der Flora. Ein genereller Trend ist die Verkleinerung der Verbreitungsgebiete der Pflanzen. Es wandern aber auch Arten aus Mittel- und Südeuropa zu, die bislang nicht in Deutschland vorkommen. Die Effekte sind lokal unterschiedlich, negative Auswirkungen auf die aktuelle Artenvielfalt sind vor allem in Nord-Ost- und Süd-West-Deutschland absehbar. Die Effekte in den Simulationen sind umso deutlicher, je größer der Temperaturanstieg ist.

Besonders viele Arten könnten das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie die Tieflandebenen Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens verlieren. Dagegen rechnen die Forscher damit, dass die Artenzahlen in den Mittelgebirgen Baden-Württembergs, Bayerns, Thüringens und Sachsen durch einwandernde Pflanzen leicht zunehmen könnten. Dies setzt aber voraus, dass diese Arten die Standorte auch erreichen. Der Klimawandel könnte aber für die Mehrzahl der Pflanzenarten zu schnell verlaufen, um sich anpassen oder mit der Verschiebung des Verbreitungsgebietes – nordwärts oder in größere Höhenlagen – mit zu wandern.

„Viele Pflanzenarten könnten ihre Nischen zum Beispiel im Gebirge oder in Mooren verlieren“, erklärt Sven Pompe vom UFZ. Zuwandernde Arten aus Südeuropa könnten diese Verluste in den Modellen nicht ausgleichen. Die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) gehört beispielsweise zu den Verlierern des Klimawandels. Die Änderungen der Umweltbedingungen in den Szenarien führen dazu, dass diese Art aus den tiefen Lagen Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens lokal verschwindet. Die Echte Walnuss (Juglans regia), ursprünglich von den Römern nördlich der Alpen angesiedelt, würde dagegen mehr Gebiete mit geeigneten Bedingungen finden können und sich bis in den Osten Deutschlands ausbreiten können.

Das Drittmittelprojekt „Modellierung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Flora“ wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und im Rahmen der Forschungsprojekte ALARM, MACIS sowie ECOCHANGE von der Europäischen Union gefördert. Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität werden vom UFZ und vom PIK in den gemeinsamen Projekten „Schutzgebiete Deutschlands im Klimawandel – Risiken und Handlungsoptionen“ und ALARM erforscht.

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Webtipp: >> Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

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