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Konzept: „Distanz(ierung) durch Integration“

Deutscher Kinder- und Jugenhilfepreis 2008

Essen

Zum Abschluss des nach eigenen Angaben größten europäischen Jugendhilfetreffens mit 40.000 Besuchern, das in diesem Jahr unter dem Motto „Gerechtes Aufwachsen ermöglichen!“ stand,  ehrte die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) als Veranstalterin am Freitag ein Sozialprojekt gegen Rechts. Sie verlieh den mit 4.000 Euro dotierten Hermine-Albers-Preis an Prof. Dr. Kurt Möller von der Hochschule Esslingen und den Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit in Bremen für das gemeinsame Konzept zur Arbeit mit rechtsextrem und menschenfeindlich orientierten Jugendlichen.

Das Konzept stellt einen Ansatz aufsuchender Jugendarbeit dar, bei dem zunächst mittels Straßensozialarbeit Kontakt und Vertrauen zu sozial desintegrierten und auffälligen Jugendlichen aufgebaut wird. Im weiteren Verlauf werden mittels Gruppenarbeit, Einzelfallhilfen und Anstrengungen zur Einbindung der Jugendlichen in ihr Gemeinwesen Beziehungen zu diesen Jugendlichen hergestellt. Der so gewonnene Einblick in die politischen Einstellungen und Mentalitäten der jungen Menschen ist Voraussetzung und Ansatzpunkt für sozialarbeiterische Integrationshilfen in verschiedenen Lebensbereichen wie Arbeit, Familie und Stadtteil. Ziel der Hilfe ist der Abbau von rechtsextremen und menschenfeindlichen Haltungen.

„Der soziale Hintergrund von rechtsextrem und menschenfeindlich orientierten Jugendlichen ist zumeist vor allem von einem gekennzeichnet: erheblichen Integrationsdefiziten. Da existieren etwa Probleme in der Schule, da funktioniert die Einfädelung in eine Berufsausbildung nicht, da gibt es unliebsame Kontakte mit Anwohnern, mit der Polizei oder gar mit Gerichten und in der eigenen Familie herrscht emotionale Leere. Hinzu kommt eine Definition von Männlichkeit als ‚machismo‘. Nur über eine verbesserte Integration kann man diesen Ursachen einer Anfälligkeit für undemokratische Orientierungen beikommen. Gegenan-Argumentieren allein bringt da nichts“, erklärt Prof. Dr. Kurt Möller und unterstreicht die Erfolgsaussichten des von ihm über dreieinhalb Jahre hinweg evaluierten Konzepts:

„Unsere Evaluation – bislang übrigens bundesweit die einzige zu solcher Arbeit mit rechtsextrem und menschenfeindich ausgerichteten Jugendlichen – zeigt: Die braunen Schmuddelkinder aktiv aufzusuchen und kontinuierlich und langfristig mit ihnen sozialpädagogisch zu arbeiten, bringt erheblichen Nutzen: Nicht aus jedem macht man einen aufrechten Demokraten, aber bei den meisten gelingt es, ihre extremistischen und menschenfeindlichen Orientierungen abzubauen. Dies umso wahrscheinlicher je jünger die Jugendlichen bei der Kontaktaufnahme noch sind. Nehmen nicht Sozialpädagogen und Sozialarbeiterinnen mit diesen Jugendlichen Kontakt auf, dann überlässt man den braunen Rattenfängern das Feld für ihre Rekrutierungsversuche. Diese bieten den jungen Menschen dann auf ihre Weise Integration – eine scheinbare zumindest.“

Die Namensgeberin des Preises, die Sozialwissenschaftlerin Hermine Albers, übernahm 1945 die Führung des Hamburger Jugendamtes, beiteiligte sich maßgeblich an der Entstehung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und war von 1952 bis 1955 die zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe.

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Webtipps: >> Hochschule Esslingen

>> Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

>> Verein zur Förderung akzeptierender Jugendarbeit e.V.

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