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Macht ist nicht absolut – Macht wird delegiert

Vortrag von Klaus Werner “Macht und Machenschaften der Weltkonzerne”

Görlitz

Foto: © Ethiker / Klaus Werner

Klaus Werner, österreichischer Journalist und (Mit)-Autor zahlreicher kritischer Publikationen zum Thema Globalisierung und Wirtschaftsethik, u. a. der bekannten Sachbücher „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen“ sowie „Schwarzbuch Öl“, macht im Rahmen einer seiner Vortragsreihen Sonderstation in der Oberlausitz.

19.45Uhr: der große Hörsaal auf dem Campus in Görlitz füllt sich allmählich mit Studenten und interessierten Zuhörern aus der Region.

20.00Uhr: die Organisatorin des Abends, Kathleen Franz, stellt kurz den Redner vor, begrüßt die ca. 120 Zuhörer und bedankt sich bei den Sponsoren der Veranstaltung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie dem Studentenrat der Hochschule Görlitz.

20.05 betritt Klaus Werner den Saal, stellt sich vor das gespannte Auditorium und sagt…………: nichts- eine halbe Minute lang. Er steht nur da und schaut in die erwartende Menge vor sich. Die Spannung, die sich daraufhin aufbaut, steigert sich, so scheint es jeder der Gäste zu spüren, ins schwer Erträgliche. Das Knistern in der Luft wird jäh durch einen Zwischenruf: „ Es wird Zeit, etwas zu sagen, Sie oder wir!“ unterbrochen.

Schnell wird klar: auf die Besucher wartet kein Vorlesungsabend im klassischen Sinne, bei dem aus einer bekannten Publikation vorgetragen wird. Um den inhaltlichen Rahmen abzustecken, in dem sich Klaus Werner bewegen wird, nennt er zunächst zahlreiche, oftmals den Zuhörer verstörende Fakten- die Ergebnisse seiner jahrelangen Recherchen. Dass über die Hälfte der Weltbevölkerung mit weniger als 2 US$ seinen täglichen Unterhalt bestreiten muss, ist dabei eine wohl noch recht bekannte Faktizität.

Als er jedoch Gleichnisse bemüht, die auf einer Studie der UNO basierend aussagen, dass 2 Prozent der Menschen über mehr als 50 Prozent aller Vermögenswerte verfügen, 10 Prozent der Weltbevölkerung ganze 85 Prozent des gesamten Kapitals der Weltwirtschaft besitzen, dass die lt. Forbesliste 3 reichsten Privatpersonen über mehr Geld verfügen, als alle Einwohner der 50 ärmsten Länder der Welt in einem Jahr zusammen verdienen können und dass im Gefolge solcher Verschiebungen 100.000 Menschen täglich an den Folgen des Hungers sterben, ist den Gesichtern vieler Zuhörer ein Ausdruck von ungläubigem Entsetzen und Ratlosigkeit zu entnehmen.

Mit diesen Gefühlen hat er sehr lange seine Zuhörer aus seinen Vorträgen entlassen- und dies ist, wie er selbst feststellt, ein Effekt, der von ihm nicht intendiert ist und gegen den er jetzt gezielt vorgeht. Denn Ratlosigkeit ist die psychische Konsequenz von gefühlter Ohnmacht. Doch Klaus Werner hat aus seiner jahrelangen Vortragserfahrung gelernt, er will mehr als dieses Verstören.

Sein didaktisches Konzept ist das Aufzeigen der Regeln des Spiels mit der Macht, mit der Bewusstwerdung eines jeden Einzelnen über die Vorgänge von Machtvergabe und Machtausübung und die Rolle eines jeden, die er dabei einnimmt. Dies bestimmt die Auswahl seiner rhetorischen Mittel. Realisieren seine Leser und Zuhörer ihre Möglichkeiten der Einflussnahme als bewusster Konsument als die Grenze des in ihrer Macht Liegenden, postuliert Klaus Werner dies mit seinen neueren Erfahrungen als einen eher repressiven Akt: der in der Ecke stehende Akteur.

Ihm geht es nun vielmehr um die Vermittlung eines Verständnisses von Regelprozessen der Gesellschaft. Dies soll eine Basis bereiten für eine andere Art von Ich-Verständnis eines Jeden als Voraussetzung, der passiven Ohnmacht entfliehen zu können, indem man sich in die Lage versetzt fühlt, das scheinbar „gottgegebene“ Gesellschaftsgefüge zu hinterfragen. „Macht wird delegiert“ ist dabei sein Credo und er kritisiert dabei diesen Vorgang der Delegation als etwas Passives, Erwartendes, Aushaltendes. Um dies zu ändern, so Werner sinngemäß, gilt es sich zu exponieren, aus der schützenden Masse auszutreten, um nicht nur im etablierten Gefüge zu agieren, sondern selbst als Lenker von Machtzuschreibung zu werden.

Um nicht zu riskieren, dass dieser ihm wichtige Punkt in der Bedeutungslosigkeit verhallt, greift er zu einem drastischen Mittel der Veranschaulichung. Werner schüttet eine kleine Pfütze Benzin auf den Boden und entzündet sie. Daraufhin eilt er zurück, stellt den Kanister ab, nimmt ihn wieder auf und beginnt, wie irre und mit verwirrtem Blick, mit diesem Kanister auf die linke Seite des Saales zu laufen und Benzin auf den Fußboden und auf mitgebrachte Taschen der Zuschauer zu schütten. Die betroffenen Zuschauer im linken Bereich sind verstört, die der rechten Seite schauen neugierig aber gelassen zu. Daraufhin rennt Werner auf die rechte Seite, übergießt dort die Gardinen an den Fenstern und den Boden mit Benzin. Als er daraufhin zu seinem Pult zurückkehrt und ein Stück benzingetränkte Watte anzündet, seinen Mund mit Benzin füllt und vor die Zuschauer tritt und sich anschickt, alles anzuzünden, schaut das Auditorium gelähmt und versteinert zu.

Werner spuckt aus und zeigt- es war Wasser. Er hat die Kanister unbemerkt vertauscht. Wohl niemand der Zuhörer hätte einen Brand im Saal gewollt, doch ob der ihm verliehenen Macht des Vortragenden ergaben sich alle in Lethargie. Spätestens jetzt begreift jeder im Saal, was Werner mit der Gefährlichkeit des Nichterkennens von Handlungsmöglichkeiten meint.

Das dieses ´Sich exponieren´ geübt werden muss und besser Schritt für Schritt erlernt werden kann, verdeutlicht Klaus Werner in der letzten Szenerie des Abends. Er arbeitete argumentativ 4 Hooklines heraus, welche als zunächst abstrakte, später jedoch für jeden ins Persönliche transferierbare Statements als Anhaltspunkte dienen sollen, sich seiner Möglichkeiten der Gestaltung von Gesellschaft klar zu werden. 1.:live your dreams, 2.: stay informed, 3.: act together and have fun, 4.: zeigt Zivilcourage. Dazu bittet er 4 Gäste nach vorn, um diese Aussagen, welche auf Banner aufgetragen sind, in die Höhe zu halten: Stufe 1 des Exponierens.

Nun fordert er die Protagonisten auf, unvorbereitet vor der Zuhörerschaft über ihre persönlichen Träume zu sprechen: Stufe 2. Nun versteht jeder im Saal den hier aufzuzeigenden Mechanismus sowie die korrespondierenden psychischen Widerstände und die Probleme mit deren Überwindung. Als es jedoch gelingt, durch dieses stufenweise Vorgehen die vermeintlich schützenden Ängste vor Blöße abzubauen, quittiert dies der Saal mit einem eindrucksvollen Empowerment.

Ein beeindruckender und lehrreicher Abend, darüber sind sich wohl die meisten der Anwesenden einig.

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>> Fotostrecke zum Vortrag

>> Special: CSR und Wirtschaftsethik im Gespräch

Webtipp: >> Uns gehört die Welt!

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6 Kommentare zu “Macht ist nicht absolut – Macht wird delegiert”

  1. Umgebungsgedanken » Blog Archiv » Ethiker

    [...] Hier noch ein Link auf einen wahllos herausgegriffener Beitrag: Macht ist nicht absolut – Macht wird deligiert [...]

  2. Effenserind

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  3. Martin Mair - AKTIVE ARBEITSLOSE

    Klaus Werner-Lobo ist nun Gemeinderat für der Grünen in Wien und sogar Menschenrechtssprecher, es fällt ihm aber seltsamerweise überhaupt nichts kritisches zur durch und durch menschenrechtsfeindlichen Mindestsicherung ein, die sozusagen Hartz IV auf österreichisch darstellt, und von den Wiener Grünen nun als Koalitionspartner der SPÖ voll mitgetragen wird.

    Vor den Gemeinderatswahlen haben wir eine Arbeitslosenkonferenz angestoßen, die von den Grünen unterstützt werden sollte. Leider wurde diese von den eingeladenen Initiativen nicht vor den Gemeinderatswahlen durchgezogen. Nun haben die Grünen als Koalitionspartner Null Interesse mit uns zu kooperieren.

    Das erinnert uns irgendwie auch an die Hartz -IV-Grünen in Deutschland: Kaum an der Macht und schon korrumpiert ….

    Wir haben es gewagt kritische Kommentare durchaus sachlicher Natur auf Klaus Werner-Lobos facebook Seite zu posten und wurden vom Menschenrechtssprecher der Wiener Grünen blockiert. Gleiches passierte namhaften PolitilogInnen, die es wagten den Jubelfilm über Daniel Cohn-Bendit zart zu kritisieren …

    Solch einem durch und durch verlogenen Menschen gebt Ihr hier Raum zur Selbstdarstellung? Weit scheint es mit Euren ethischen Ansprüchen aber auch nicht weit her zu sein …

    mfg

    Mag. Ing. Martin Mair

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