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ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Nachhaltige Entwicklung in europäischen Metropolen

Abschluss des Interdiszipinären Forschungsprojekts NEDS

Hamburg

neds

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt NEDS (Nachhaltige Entwicklung zwischen Durchsatz und Symbolik) wurde am 30. Juni abgeschlossen. Das Projekt untersuchte die unterschiedlichen Strategien, die einzelne Großstädte in Europa einschlagen, um ihre Entwicklung nachhaltig zu gestalten – inwieweit sich nachhaltige Entwicklung an einer rein materiellen Dimension und einer symbolischen Dimension orientiert und inwieweit dies unterschiedliche oder auch widersprüchliche Ausprägungen zur Folge haben kann.

Für die Untersuchungen im Rahmen des Projekts wurden drei beispielhafte Städte ausgewählt: Hamburg als Region mit einem anhaltenden Wachstum, Leipzig als Stadt in einer vom Bevölkerungsschwund gekennzeichneten Region, sowie Wien als ökonomisch konsolidierte Kommune mit einem starken politisch-administrativen System.

Die Ergebnisse des Projekts NEDS zeigen, dass die jeweiligen lokalen Nachhaltigkeitsstrategien zum einen von den spezifischen Bedingungen abhängen, auf die man sich vor Ort stützen kann, sich zum anderen aber auch stark von nach den Angeboten übergeordeter Politikebenen richten. Dabei spielt insbesondere die Struktur- Förderung durch die Europäische Union eine entscheidende Rolle. „Überspitzt gesagt: Nachhaltigkeit heißt in den Metropolen oft das, was am meisten Geld bringt“, so die Projektkoordinatorin Dr. Sybille Bauriedl zu den Ergebnissen des Projekts. „Nachhaltigkeit ist demzufolge oft ein Zusatzprojekt, das die Kommunen auf ihre Entwicklungspolitik draufsatteln – sofern es dafür Fördermittel gibt.“

In der Raumordnungspolitik der EU, die seit einigen Jahren auf die Stärkung der Metropolregionen ausgerichtet ist, um diese zu zukunftsfähigen „Motoren der Entwicklung“ zu machen, spielen Nachhaltigkeitskonzepte eine große Rolle. Der aktuelle Trend zu einer „Stadt der kurzen Wege“, in der Arbeiten, Wohnen und Freizeit auf kompaktem Raum möglich gemacht werden, grenzt den großen Flächenverbrauch durch Zersiedelung im Umland ein, der inzwischen als eines der größten Probleme für die nachhaltige Stadt der Zukunft angesehen wird.

Vier Entwicklungstrends, die zwangsläufig mit Zukunftsunsicherheit verbunden sind, wirken sich auf alle großen europäischen Metropolen aus. Das sind der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, der demografische Wandel, die wirtschaftliche Globalisierung und die Bildung von übernationalen politischen Entscheidungsebenen sowie der sich entwickelnde Wertewandel in der Bevölkerung hin zu einer Pluralisierung der Lebensstile.

Die Untersuchungen im Rahmen des Forschungsprojekts zeigten, dass die Städte sehr unterschiedlich auf diese Zukunftsunsicherheiten reagieren. „Als Tendenz ist dabei unter anderem zu erkennen, dass nach wie vor eher Wachstums- und Effizienzstrategien im Vordergrund stehen als ressourcenschonende Suffizienz-, das heißt Verzichtsstrategien“, erläutert Sybille Bauriedl.

Es sei aber auch deutlich geworden, dass man unterschiedliche Ausgangslagen jeweils als Chance begreifen könne. So könne beispielsweise der Bevölkerungsrückgang einer ländlichen Region zugunsten einer Metropole zu einer Art „nachhaltiger Aufgabenteilung“ führen. Ländliche Regionen sind dabei eher für die ökologische Dimension, die Städte eher für wirtschaftliche und soziale Dimension von Nachhaltigkeit zuständig.

„Die Untersuchung zeigt auch, dass es keine vorgezeichneten Wege zur nachhaltigen Stadt gibt“, betont Sybille Bauriedl. „Was in der einen Kommune erfolgreich war, muss in einer anderen nicht gleichermaßen wirksam sein“. Das würde aber keineswegs bedeuten, dass Nachhaltigkeit beliebt sei. „Jede Kommune muss sich klar darüber sein, welche Nachhaltigkeitsstrategie sie einschlägt, und dies auch öffentlich transparent machen.“

Das NEDS- Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Sozial- Ökologische Forschung“ gefördert.

Wesentliche Ergebnisse des Forschungsprojekts sind im NEDS Working Paper 7 zusammengefasst. Zudem erscheinen zwei Buchpublikationen des Projekts zum Nachhaltigkeitsverständnis in der Stadt- und Regionalpolitik und zum Nachhaltigkeitsverständnis in der Wissenschaft.

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Webtipp: >> Forschungsprojekt NEDS

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