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Textgelehrte

Einzigartiger Kongress befasst sich mit Autoren der Kritischen Theorie

Leipzig

Dipl.- Journalist Tobias D. Höhn, Universität Leipzig

uni_leipzigDas Institut für Germanistik und das Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig laden am 15. und 16. Januar zu der bisher einzigartigen internationalen Konferenz „Textgelehrte“ ein. Sie befasst sich mit zumeist jüdischen Literaturwissenschaftlern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Vertreter der Kritischen Theorie waren und nach der Machtübernahme der Nazis nahezu alle ins Exil gehen mussten.

„Wir untersuchen auf der Tagung, was diese Autoren gemeinsam haben und was sie in die aktuelle Diskussion über Literatur und Literaturwissenschaft einbringen können“, sagt der Veranstalter der Konferenz, Prof. Dr. Dieter Burdorf vom Institut für Germanistik.

Ihm gehe es um einen neuen Blick auf die Autoren der Kritischen Theorie – einer Sozialphilosophie, die Anfang der 1930er Jahre in der sogenannten „Frankfurter Schule“ entwickelt wurde. Die prominentesten Vertreter dieser Richtung sind – außer dem Begründer Max Horkheimer – Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Leo Löwenthal und Siegfried Kracauer. Mit ihrem Leben und Werk befasst sich der erste Konferenztag am 15. Januar. Einen Tag später werden auch Autoren thematisiert, die in Verbindung zur Kritischen Theorie standen, aber etwas andere Denkansätze hatten wie etwa Gershom Scholem, Hannah Arendt, Hans Mayer und Ernst Bloch.

Ein Höhepunkt des Kongresses, den es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat, ist nach den Worten Professor Burdorfs am 15. Januar der Abendvortrag von Prof. Dr. Sigrid Weigel vom Berliner Zentrum für Literatur- und Kulturforschung über Hannah Arendts und Walter Benjamins Denken auf den Spuren der Sprache. Interessenten könnten auch nur zu diesem Vortrag ins Simon-Dubnow-Institut in der Goldschmidtstraße 28 kommen. Zu der Konferenz „Textgelehrte“ werden nach Angaben des Veranstalters etwa 30 aktive Teilnehmer und noch wesentlich mehr interessierte Zuhörer erwartet. Unter Anleitung von Experten würden die Texte von Vertretern der Kritischen Theorie neu gelesen und anschließend diskutiert. „Auf jeden Hauptvortrag folgt eine Replik, die die Diskussion eröffnet“, erklärt Prof. Burdorf. Das Thema des Kongresses „Textgelehrte“, der sich vor allem an Philosophen, Literaturwissenschaftler, Historiker und Judaisten wendet, habe auch im Ausland Anklang gefunden. Sogar ein Literaturwissenschaftler aus Brasilien habe sein Kommen zugesagt. Jeder, der Interesse an dieser Thematik hat, ist zu der zweitägigen Konferenz eingeladen.

„Wir befassen uns nicht nur mit den Texten dieser Persönlichkeiten, sondern auch mit ihrem Leben“, betont Prof. Burdorf. Alle Autoren hätten einen „radikal gesellschaftskritischen Ansatz“ gehabt und seien meist Anhänger des Neomarxismus gewesen. „Sie haben versucht, die gesellschaftskritische Funktion von Literatur in den Mittelpunkt ihres Wirkens zu stellen“, sagt er. Ein Großteil von ihnen habe damals in Frankfurt (Main) gewirkt und publiziert, weshalb man auch von der Frankfurter Schule spreche. Nach ihrer Vertreibung durch die Nazis seien einige der Autoren im Exil geblieben, andere in die Bundesrepublik oder auch in die DDR gegangen.

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Webtipp: >> www.uni-leipzig.de

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