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TUB: Ganz viel Bio an Italiens Schulen

TU-Forscher untersucht europäische Modelle der Schulverpflegung

Berlin

Dr. Kristina R. Zerges, Technische Universität Berlin

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Das deutsche Schulsystem steht nicht erst seit der Pisa-Studie in der Kritik. In den vergangenen Jahren hat sich zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass Ganztagsschulen ein sinnvoller Weg aus der Bildungsmisere sein können. Seit 2003 unterstützt die Bundesregierung die Länder beim Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen mit dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB).

Wenn Schüler und Schülerinnen den gesamten Tag an der Schule verbringen, wird auch das Thema „Schulspeisung“ wieder hochaktuell. Dr. Benjamin Nölting, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin, untersucht im Rahmen des aktuellen europäischen Forschungsprojektes „iPOPY“ (2007 bis 2010) die Möglichkeiten innovativer Bio-Verpflegung in öffentlichen Schulen und Jugend-Einrichtungen.

„Das Projekt befasst sich einerseits mit der Frage, wie Kinder in der Schule gesund, schmackhaft und bezahlbar ernährt werden können. Gleichzeitig sollen sie für eine nachhaltige Ernährung sensibilisiert werden“, beschreibt Nölting den Ansatz der Arbeit. Bio-Produkte scheinen dafür besonders geeignet zu sein. Der TU-Forscher hat vier erste Studien des iPOPY-Projekts zur Schulverpflegung in Italien, Finnland, Dänemark und Norwegen aus dem Jahr 2008 analysiert und vergleichend ausgewertet. „Man kann zwei Typen der Schulverpflegung unterscheiden und aus den Erkenntnissen anderer europäischer Länder für das hiesige System lernen“, sagt er.

Während in Italien und Finnland die Mehrheit der Schüler mittags eine warme Mahlzeit erhalten, werden in Dänemark und Norwegen lediglich Obst, Getränke (Schulmilch) sowie Snacks als Ergänzung zum mitgebrachten Pausenbrot angeboten. „In Italien wurden bereits in den 1980er-Jahren auf Initiativen von Öko-Pionieren Bio-Lebensmittel in der Schulverpflegung ein-geführt. Inzwischen ist der Anteil von Bio-Produkten dort auf einen Gewichtsanteil von 40 Prozent angestiegen“, berichtet der Wissenschaftler. Italien könne als Pionier der Bio-Schulverpflegung angesehen werden, die hohen Qualitätsansprüche seien auch in der italienischen Esskultur begründet. In Finnland, so hat Nöltings Analyse ergeben, dominieren konventionelle Mahlzeiten in der Schulverpflegung, viele Schulen wollen allerdings den Anteil von Bio- und regionalen Produkten steigern.

In Dänemark ist die Schulverpflegung dezentral organisiert, die Schüler und Schülerinnen bringen ihr Pausenbrot mit. Bio-Produkte werden regional eingesetzt, etwa in Städten wie Kopenhagen und Roskilde. „Caterer bieten dort zunehmend Bio-Schulessen an“, sagt Nölting. In Norwegen werde das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2015 einen Anteil von 15 Prozent beim Öko-Landbau und beim Konsum von Bio-Lebensmitteln zu erreichen. „Dort hat man gute Erfahrungen damit gemacht, Obst kostenlos zu verteilen: Die Kinder aßen dann häufiger Obst.“

Was genau Bio-Produkte sind, regelt eine EU-Norm: Die Lebensmittel werden ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, ohne synthetische Düngemittel und ohne Gentechnik erzeugt. „Da gibt es klare Standards und Listen mit erlaubten Zusatzstoffen“, sagt Nölting. Damit produziert der Öko-Landbau qualitativ hochwertige Bio-Lebensmittel, die eine gute Grundlage für eine bewusste und gesunde Ernährung böten. Ein bekömmliches Essen fördert die Konzentrationsfähigkeit eher als Pommes Frites mit Ketschup und Mayo. Fettleibigen Kindern kann mit einer nachhaltigen Schulspeisung, verknüpft mit lebensnaher Ernährungserziehung, eine gesunde Ernährung geboten werden. Dem Vorurteil, „Bio“ sei viel teurer als konventionelle Ernährung widerspricht Nölting: „Es geht darum, Versorgungsketten neu zu organisieren. Wenn anstelle von täglichem Fleischkonsum Obst und Gemüse aus der Region auf dem Teller landen, kann das unterm Strich sogar preiswerter sein“, sagt er.

Die verschiedenen europäischen Erfahrungen, so Nölting, ließen sich nicht direkt auf Deutschland übertragen – böten aber wegen ihrer verschiedenen Hintergründe gute Ansatzpunkte. „In Berlin ist die Versorgung mit Bio-Produkten schon vergleichsweise gut geplant, weil hier bereits definiert wird, dass zehn Prozent der Schulspeisung aus biologischem Anbau stammen sollten“, sagt er. Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau e.V. biete zudem eine entsprechende Beratung für interessierte Schulen an. Im dezentral organisierten deutschen Schulsystem werde es ähnlich wie beim Nachbarn Dänemark auf das Engagement der einzelnen Beteilig-ten ankommen, um an Ganztagsschulen langfristig eine vollwertige Schul-speisung mit einem hohen Anteil von Bio-Produkten zu etablieren.

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Webtipp: >> www.tu-berlin.de

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