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IAMO Forum 2008: Ernährungssicherheit

„Agri-Food Business: Global Challenges – Innovative Solutions“

Halle

Prof. Dr. Heißenhuber (BMELV) Foto: Sibylle Mundt

heissenhuberDas Leibnitz- Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) veranstaltete letzte Woche das IAMO Forum 2008. Auf der dreitägigen Konferenz stand unter dem Motto „Agri- Food Business: Global Challenges – Innovative Solutions“ die Agrar- und Ernährungswirtschaft im Mittelpunkt.

Thematisiert wurden insbesondere Strategien zur Ernährungssicherung einkommensschwacher Länder, Fragen sicherer und gesunder Nahrungsmittel auf sich globalisierenden Agrarmärkten sowie die Bioenergie- Debatte. Besonders letzteres Thema regte die Teilnehmer der Konferenz zu spannenden und kontroversen Debatten an.

Zu den Referenten aus über 30 Ländern gehörten renommierte Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer, wie unter anderem Keith Wiebe von der Welternährungsorganisation (FAO), Prof. Dr. Heißenhuber vom Wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) sowie der ehemalige Direktor – Generaldirektion der Europäischen Kommission Brüssel, Dr. Pattermann.

Führende Experten widmeten sich im Rahmen des IAMO- Forums den bemerkenswerten Entwicklungen, die vor allem in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu beobachten sind – dem Entstehen von landwirtschaftlichen Megaunternehmen mit stark vertikal integrierten Strukturen – sogenannten Agroholdings.

„Landwirtschaftliche Betriebe werden häufig als Profitcenter von einen Mutterunternehmen koordiniert. Diese haben häufig keinen direkten landwirtschaftlichen Hintergrund. Teilweise stammen sie aus dem Rohstoffsektor, der Ernährungs-industrie oder dem Dienstleistungssektor und übernehmen bestimmte Funktionen landwirtschaftlicher Unternehmen. Diese beinhalten insbesondere das Produktions- und Finanzmanagement, aber auch strategische Entscheidungen wie z. B. die Investitionstätigkeit.“, erklärt Prof. Dr. Heinrich Hockmann (IAMO, Leiter des Forschungs-projektes „Agroholdings im Agrar- und Ernährungssektor in Russland“).

Ein Viertel der gesamten Getreideernte Russlands wird bereits durch die ca. 200 privaten Agroholdings bewerkstelligt – Tendenz steigend. Diese Entwicklung dürfte sich deutlich auf die Preise für landwirtschaftliche Rohprodukte auswirken. Ökologische Aspekte werden in diesen profitorientierten Unternehmen nur insofern berücksichtigt, als das sie dem Gewinnziel dienen. „In der Regel beobachtet man einen Zerfall der lokalen Infrastruktur“ so Hockmann. „Gegenwärtig besteht noch enormer Forschungsbedarf. Es bleibt das Ziel der Wissenschaft, Ursachen und vor allem Lösungsansätze zu präsentieren.“

Auch die derzeitige Förderung der Bioenergie gibt Anlass zur Kritik. Darauf wies unter anderem Prof. Dr. Heißenhuber mit einem Gutachten des wissenschaftlichen Beirates des BMELV hin: „Die Anreize der Bundesregierung für die Herstellung von Bioenergie müssen hinterfragt werden“, warnt Heißenhuber und stieß damit bei Dr. Torsten Gabriel, selbst Fachexperte für Bioenergie und Kommunikationsleiter der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, auf Widerspruch: „Ohne deutlichen Ausbau der Bioenergie ist der globale Energiebedarf in Zukunft kaum zu decken“, so die Auffassung Gabriels.

Tatsache ist, dass sich auch ohne bisherige aussagekräftige Studien zur Gewichtung einzelner Ursachen für die Nahrungsmittel- Preisexplosionen Experten einig darüber sind, dass die steigende Inanspruchnahme von Anbauland zur Bioenergiegewinnung Druck auf die Lebensmittelpreise ausübt, ohne einen entscheidenden Beitrag zur Energiesicherheit leisten zu können. Deutlich zeigt sich aktuell auch, dass Energie- und Agrarpreise verstärkt aneinander gekoppelt sind.

Unumgänglich scheint deshalb und angesichts der zunehmenden Ressourcenverknappung fossiler Energieträger zu sein, alle erneuerbaren Energieträger ausgewogen einzusetzen und gleichzeitig neue zukunftsweisende Antriebskonzepte zu entwickeln. Einen wichtigen Lösungsansatz und Beitrag zur Abschwächung der Konkurrenzwirkung von Biokraftstoffen und Nahrungsmitteln, könnten insbesondere Bioenergietechnologien der zweiten und dritten Generation, die auf Müll, Zellulose und einer intelligenteren Technik beruhen, bieten.

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Webtipp: >> IAMO

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