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Welternährungsgipfel ignoriert zentrale Ursachen der Hungerkrise

Attac fordert Neuordnung des globalen Finanz- und Handelssystems

Frankfurt am Main

attacAnlässlich der am heutigen Dienstag in Madrid zu Ende gegangenen Konferenz der Vereinten Nationen über Nahrungsmittelsicherheit hat das globalisierungskritische Netzwerk Attac den Verantwortlichen der Politik Versagen vorgeworfen. „Auf der Welt hungert fast eine Milliarde Menschen. Doch der Gipfel hat die zentralen Ursachen der Hungerkrise nicht thematisiert. Statt der Bekämpfung von Symptomen ist eine grundlegende Neuordnung des internationalen Finanz- und Handelssystems zu Gunsten der Länder des Südens notwendig“, sagte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. Zwar sei zu begrüßen, dass neben den problematischen Lebensmittelhilfen inzwischen gezielte Hilfen für Kleinbauern zum Konzept der Welternährungsorganisation und des Welternährungsprogrammes gehören. „Das ändert aber nichts an den für arme Menschen fatalen Rahmenbedingungen des gegenwärtigen Welthandelssystems, ohne deren Änderung der Kampf gegen Hunger ein Kampf gegen Windmühlen bleiben muss“, betonte Jutta Sundermann.

Attac fordert, die Spekulation mit Agrarrohstoffen strikt zu begrenzen. „Es waren politische Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren auch im Agrarsektor immer größere Bedeutung bekommen haben. Diese Entwicklung rückgängig zu machen, ist ebenso eine Frage des politischen Willens“, stellte Jutta Sundermann klar. Nachdem um die Jahrtausendwende die IT-Spekulationsblase geplatzt war und 2007 die Immobilienblase in den USA folgte, drängten die Finanzanleger auf der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten auf die Rohstoffmärkte. Dies provozierte dort einen Teil der dramatischen Preissteigerungen, die 2008 die Zahl der Hungernden nach oben katapultierten.

Zudem fordert Attac, internationale Agrarabkommen aufzuheben, die einseitig große Konzerne unterstützen und in den letzten Jahren zu einer dramatischen Konzentration im Agrarmarkt geführt haben, die Subventionierung von Agrosprit zu stoppen und die im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO von den Industrieländern durchgesetzten Patentrechte zurückzunehmen, die den Zugang zu Saatgut für Millionen von Kleinbauern erschweren. Die Bekämpfung des Hungers sei unter dem Dach der UNO zu organisieren.

Der Bundesregierung warf Attac vor, die akute Nahrungsmittelkrise zu ignorieren und keine Konzepte für ihre Bekämpfung zu haben. „Offensichtlich ist die Bundesregierung zu sehr mit der Rettung von Banken und der deutschen Automobilindustrie beschäftigt. Gleichzeitig forciert sie jedoch weiterhin Versuche der Europäischen Union, Freihandelsverträge mit verschiedenen Regionen im Süden abzuschließen, die die Nahrungsmittelkrise nur verstärken“, kritisierte Kerstin Sack, ebenfalls vom Attac-Koordinierungskreis.

Kerstin Sack: „Täglich sterben 20.000 Menschen am Hunger und seinen Folgen. Es ist ein Skandal, dass das Menschenrecht auf Nahrung für einen Großteil der Menschheit nur auf dem Papier besteht. Wir erleben gerade, wie in kürzester Zeit in den Industrieländern hunderte Milliarden Dollar zur Rettung von Banken mobilisiert werden. Mit 30 Milliarden pro Jahr könnte der Hunger weltweit gestoppt werden.“

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Webtipp: >> www.attac.de

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