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Wie macht, wie verhindert man Revolutionen?

Eine Vortragsreihe des Historischen Seminars der Universität befasst sich im Sommersemester mit Revolutionen

Erfurt

uni_erfurtSie würden erst eine Bahnsteigkarte lösen, bevor sie den Bahnhof erstürmten, so witzelte Lenin über das Zaudern deutscher Revolutionäre. Der Führer der Bolschewiki musste es ja wissen: Denn seine Russische Revolution fand entgegen allen Prognosen nicht in einer von Arbeitern, sondern von Bauern geprägten Gesellschaft statt. Doch wie macht man eine Revolution? Damit sowie mit der Frage, wie und ob man sie auch verhindern kann, beschäftigt sich eine, mit internationalen Rednerinnen und Rednern besetzte, Vortragsreihe des Historischen Seminars der Universität Erfurt im Sommersemester. Zum Auftakt dieser, von der Fritz- Thyssen- Stiftung (Köln) finanzierten und von den Professoren Claudia Kraft und Peer Schmidt organisierten, Reihe wird am kommenden Mittwoch, dem 22. April 2009 um 18 Uhr in der Kleinen Synagoge (An der Stadtmünze 4/5) Prof. Hasan Kayali von der Universität San Diego (USA) zum Thema „1789 and the Ottomans“ sprechen.

Zwar setzte im Jahre 1776 in den USA der Revolutionszyklus ein, doch seit der „Grossen Französischen“ von 1789 umtrieb die Menschen auch die Sorge, wie man solche radikalen Umstürze verhindern könne. Die blutige Phase der Französischen Revolution im Jahre 1794 stand den folgenden Generationen warnend vor Augen. Und so versuchte das erste deutsche Parlament, die Paulskirchenversammlung von 1848/49, der dieser Tage gedacht wurde, tunlichst den Anschein von radikaler Veränderung zu vermeiden. Dennoch lehnte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die „Krone mit dem Ludergeruch der Revolution“ ab. So kam es in Deutschland zu keinem Umsturz. Auch 1918/19 nicht. Zu fast, keiner. Mit einer Ausnahme: der friedlichen Revolution von 1989, die eine Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zum Einsturz brachte. Sie hatten wohl nur die wenigsten kommen sehen.

Eben die Ereignisse von 1989 geben den Anlass zu diesem öffentlichen Vortragszyklus. Angesichts einer Fülle von Veranstaltungen in den kommenden Monaten, die dem Epochenjahr 1989 vornehmlich aus deutscher Sicht gewidmet sind, beschreiten die Erfurter Historikerinnen und Historiker einen anderen Weg. In einer globalgeschichtlichen Perspektive wird das Verhältnis von Revolutionen und Wissen um deren Machbarkeit bzw. Abwehr in den Blick genommen: u. a. am Beispiel des Osmanischen Reiches, Frankreichs, der Karibik, der USA oder Russlands und Chinas. Auch die Revolutionssehnsucht der 1960er Jahre, als manche die Revolutionierung in Lateinamerika und (West)Europa erträumten – und zum Teil erbomben wollten -, wird behandelt.

Den Abschluss der Reihe bildet der Vortrag des polnischen Zeithistorikers Krzysztof Ruchniewicz, der sich mit dem Wissenstransfer in Mittel- und Osteuropa im Herbst 1989 beschäftigen wird und damit direkt an die zwanzigjährige Wiederkehr des annus mirabilis 1989 anknüpft. Interessierte Hörer sind zu den Veranstaltungen herzlich eingeladen. Die Vorträge finden immer mittwochs von 18-20 Uhr statt. Vortragsort ist die Kleine Synagoge (An der Stadtmünze 4/5). Der Eintritt ist frei.

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Webtipp: >> www.uni-erfurt.de

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