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Wird sich Europa endlich einigen, um tausende fremder Eindringlinge abzuwehren?

Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung UFZ

Leipzig

Der Amerikanische Mink (Mustela vison) ist ein Generalist und Raubtier, das aus Nordamerika zur Pelzzucht eingeführt wurde. Inzwischen bedroht er den Europäischen Mink (Mustela lutreola), dessen Verbreitung inzwischen aug einieg wenge fragmentierte Populationen beschränkt ist. Foto: André Künzelmann/UFZ

minkEuropas Grenzen werden von tausenden Pflanzen- und Tierarten aus anderen Teilen der Welt überrollt: das Spektrum reicht von amerikanischen Minks bis hin zu neuseeländischen Plattwürmern. Die Eindringlinge fressen einheimische Arten, hybridisieren mit ihnen, parasitieren sie und verdrängen sie durch Konkurrent. Sie bringen Krankheiten mit, verändern Ökosysteme, ja ganze Landschaften und haben große Auswirkungen auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei. Vorläufige Schätzungen deuten an, dass der Schaden durch invasive Arten jährlich mindestens 10 Milliarden Euro beträgt, allerdings wissen wir bei 90 Prozent der Arten noch nicht, welche Schäden sie verursachen.

Neuere Zahlen von 11.000 nichteinheimischen Arten in Europa haben die Europäische Kommission veranlasst, ihr erstes Communiqué zu diesem Thema überhaupt zu verfassen. Der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas stellte hierbei fest, dass „die ökologischen, ökonomischen und sozialen Konsequenzen der Verbreitung invasiver Arten für die Länder der EU ernst zu nehmen sind und eine koordinierte Antwort verlangen“. Im derzeitigen offenen Diskussionsprozess schlägt das Communiqué einen Fahrplan für eine europäische Strategie gegen invasive Arten vor. Die drei vorgeschlagenen neuen Optionen beinhalten vor allem steigende gesetzgeberische Kosten und eine zunehmende Komplexität: (1) man solle die vorhandenen Gesetze besser anwenden, (2) man solle Gesetze besser auf invasive Arten ausrichten, oder (3) oder neue Gesetze entwickeln. Ist das wirklich die beste Strategie, um solche Probleme zu lösen?

Ein in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science veröffentlichter Artikel weist darauf hin, dass die Gesetzgebung nur ein Teil der erforderlichen Antwort sein kann und dass in Europa eine eigentliche Regierungskultur und institutionelle Koordination zur Kontrolle des Problems invasiver Arten zwischen den Mitgliedsstaaten fehlt. „Die Verantwortung für das Management invasiver Arten ist auf zu viele europäische Institutionen aufgeteilt, darunter die europäische Umweltagentur (European Environment Agency EEA), die europäische und mediterrane Pflanzenschutzorganisation (European and Mediterranean Plant Protection Organisation EPPO), die europäische Behörde für Nahrungsmittelsicherheit (European Food Safety Authority EFSA), und viele mehr, die nur selten miteinander reden und bei denen das Thema invasiver Arten nur eines unter vielen ist“, sagt Philip Hulme, Lincoln Universität, Neuseeland, und Erstautor dieses Artikels. „Beispielsweise haben sich EPPO und EFSA nie gefunden, um die Gefährdung von Europa durch invasive Arten zu untersuchen und die verschiedenen Ministerien in Brüssel (Directorates General) haben die finanzielle Förderung zur Erforschung und für das Management invasiver Arten stets unterschiedlich beurteilt. Die Autoren dieser Studie empfehlen daher dem Europäischen Parlament und dem Europarat ernsthaft in Erwägung zu ziehen, eine einzige Institution zu schaffen, in der die verschiedenen Ressourcen und Aktivitäten zusammengeführt werden, die derzeit über viele Behörden verteilt sind.

Ein Europäisches Zentrum für das Management invasiver Arten (European Centre for Invasive Species Management ECISM) hätte den klaren Auftrag, aktuelle und zukünftige ökonomische und ökologische Gefahren durch invasive Arten offenzulegen. ECISM würde durch Koordination der Aktivitäten seiner Mitgliedsstaaten ein europaweites Überwachungssystem invasiver Arten schaffen, es würde neu auftretende Gefahren erfassen, schnelle Antworten ermöglichen und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit fördern. Die Herausforderung für Europa ist beträchtlich, denn die Anzahl invasiver Arten steigt von Jahr zu Jahr, dennoch sehen weniger als zwei Prozent der Bevölkerung eine Gefährdung durch invasive Arten und der immer stärker zusammenwachsende Markt von Waren und Personen fördert überdies die Ausbreitung invasiver Arten. „Was wir vorschlagen ist nicht sonderlich originell, denn entsprechende Ideen für ein Koordinationszentrum wurden auch in den USA g-macht, aber die politische, kulturelle und geographische Komplexität von Europa erfordert eine einzige Institution. Das ist nötig, aber das genau ist auch die Herausforderung“ sagt Hulme. „Wir werden erst später entscheiden können, ob Europa die Zeichen der Zeit erkannt hat.“

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Webtipp: >> www.ufz.de

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