ETHIKER

News Online

Twitter

Twitter
@EthikerNews

ETHIKER DAS ONLINEPORTAL - Donnerstag, 17. August 2017

PHILOSOPHIE
PERSONEN
DOWNLOAD
COMMUNITY
KONTAKT
IMPRESSUM
» ethiker.com kaufen

WWF fordert Verkaufsstopp für „Sushi-Tunfisch“

Population im Mittelmeer droht bis 2012 auszusterben / Sushi- Meister sollen auf Roten Tunfisch verzichten

Frankfurt am Main

Foto: © WWF

260-Final-Ogilvy-for-WWF-blAngesichts der dramatischen Lage des Blauflossentunfischs startet die Umweltschutzorganisation WWF eine europaweite Schutzkampagne. Händler, Restaurants, Verbraucher und – vor allem – Sushi- Meister sollten zumindest solange auf die begehrte Delikatesse verzichten, bis sich die Bestände wieder erholt hätten. Nach WWF- Angaben wird derzeit noch immer viermal mehr Blauflossentunfisch gefangen, als nachhaltig wäre. Wenn sich an der Fischereipraxis nichts ändere, könnte die fortpflanzungsfähige Population nach WWF- Untersuchungen bis zum Jahr 2012 aus dem Mittelmeer verschwunden sein. In Deutschland sind es vor allem die Sushi- Bars, die den Blauflossentunfisch (auch Roter Tunfisch genannt) als Delikatesse servieren.

„Bei Fisch kommt es eben leider nicht mehr nur auf Geschmack und Qualität an, sondern auch auf Nachhaltigkeit“, sagt Karoline Schacht. „Die Sushi-Meister in Deutschland sollten mit gutem Beispiel vorangehen und durch ihren Verzicht dabei helfen, den Blauflossentunfisch zu retten.“ Wer zukünftig auf diese Delikatesse nicht verzichten wolle, habe jetzt keine andere Wahl mehr, als sich in Abstinenz zu üben. Eine Vorreiterrolle hat der deutsche Fernseh-Koch Steffen Henssler übernommen. Henssler, bekannt für seine außergewöhnlichen Seafood-Kreationen, verzichtet bei TV-Auftritten und in seinen Restaurants komplett auf die Zubereitung von Blauflossentunfisch.

Der WWF hat in der Vergangenheit wiederholt einen Fangstopp im Mittelmeer gefordert. In den letzten 50 Jahren war die Population um etwa 75 Prozent eingebrochen. Bestandsuntersuchungen sehen die fortpflanzungsfähige Population akut in ihrer Existenz gefährdet. Nach dem Jahr 2012 droht so die unwiederbringliche Ausrottung der Tunfische im Mittelmeer. Als erster Staat der Erde hat das Fürstentum Monaco reagiert. Der Mittelmeeranrainer hat sich im April 2009 öffentlich dazu bekannt, keinen Blauflossentunfisch mehr zu verkaufen. Alle Restaurants, Einzelhändler und Chefköche haben die bedrohte Art vorerst aus ihren Regalen und von ihren Speisekarten genommen.

____________________

Webtipp: www.wwf.de

Twitter, Facebook ...

8 Kommentare zu “WWF fordert Verkaufsstopp für „Sushi-Tunfisch“”

  1. Hans

    Leider übernimmt Herr Henssler in dieser Sache keine Vorreiterrolle, wie es gerne von ihm und dem WWF dargestellt wird. Fakt ist, dass über 90% der Sushi Bars in Deutschland schon seit langem keinen Blauflossen Thunfisch mehr nutzen sondern auf Gelbflossen umgestiegen sind. Der Blauflossenthunfisch ist schon lange nicht mehr konstant verfügbar wie Sushi Bars es brauchen.

    Wenn Henssler jetzt auf Gelbflossen umsteigt, dann ist er eher ein Nachzügler. Immerhin besser später als zu spät…

  2. Anke Pohl

    Vielen Dank für den Kommentar – mich würde interessieren, woher Ihre Gewissheit über die 90% schon seit langem Blauflossen-freundlichen Sushi-Bars stammt? Dies habe ich so bisher nicht wahrgenommen. Ich würde mich über eine entsprechende Quellenangabe sehr freuen.

    Vielleicht schafft es ja Herr Henssler nun mit seinen TV-Auftritten die noch verbleibenden 10% von der Notwendigkeit zu überzeugen…

  3. Hans

    Hallo Frau Pohl,

    das kann ich mit Gewissheit sagen, weil ich beruflich mit der Branche zu tun habe.

    Wäre gut, wenn Herr Henssler die letzten 10% überzeugt. Noch besser wäre, wenn er sich selber and die Empfehlungen vom WWF halten würde, denn der WWF listet auch den Yellowfin als rot und der dominiert auch 9 Monate nach der Ankündigung noch die Speisekarte bei Henssler.

    Schade an der ganzen Sache ist, dass der WWF eine große PR Kampagne gestartet hat, die vollkommen an der Realtität vorbei geht und einen Nachzügler zum Helden macht. Wenn schon Öko-PR dann sollte sie auch fundiert sein…

  4. Anke Pohl

    Vielen Dank für Ihre Antwort. Es ist erfreulich, dass Sie innerhalb Ihrer Branche diesen positiven Trend beobachten (und das jahrelange Engagement des WWF inzwischen solche Früchte trägt). Aber die von Ihnen als Fakt bezeichnete Zahl von 90% ist dadurch leider nicht belegt.

    Beim lesen des WWF-Artikels ist Ihnen sicher auch nicht entgangen, dass es um eine europaweite (nicht nur deutschlandweite) Schutzkampagne geht. Ich habe nach heutiger kurzer Recherche etliche Webseiten innerhalb von Europa (und auch in Deutschland) gefunden, die diesen bedrohten Fisch zum Kauf anbieten/auf der Speisekarte anpreisen/in Kochrezepten beschreiben… Aufgrund dieser Realität sind solche Schutzkampagnen und auch Handelsverbote weiterhin dringend erforderlich…

    Bitte senden Sie mir die Quellenangabe/Speisekarte, in der Herr Henssler den Yellowfin verwendet. Ich würde Ihn dann gern kontaktieren und mit Ihrem berechtigten Hinweis konfrontieren.

  5. Hans

    Hallo Frau Pohl,

    wenn Sie einen Blick in die Importstatistiken werfen dann sehen Sie, dass Bluefin in Europa noch ca. 10% ausmacht. Ob das auf das Engagement des WWF zurück zu führen ist kann ich nicht beurteilen. Zumindest ist es mit Sicherheit auch durch die Marktkräfte bei sinkenden Fangmengen zurück zu führen. Jedenfalls es ist ja gut, dass unter den gegebenen Umständen der Bluefin kaum noch konsumiert wird und ich hoffe, dass der Bluefin demächst mal eine richtige und lange Erholungspause bekommt.

    Davon unabhängig ist der Bluefin für Sushi in Deutschland eher weniger beliebt, weil er nicht nur saisonal wenig konstant verfügbar ist und war sondern insbesondere auch weil er eine sehr heterogene Konsistenz aufweist und farblich weniger schön ist (sehr dunkel).

    Inhaltlich verstehe ich an Ihrer Kampagne einfach nicht, weshalb Sie den Bluefin so in den Vordergrund stellen. Mit Sicherheit haben Sie Recht, dass er ganz von den Speisekarten genommen gehört. Persönlich bin ich für ein Fangverbot des Bluefin.

    Der WWF stellt sich aus meiner Sicht nur als wenig seriös dar, wenn er Herrn Henssler als „Vorreiter“ präsentiert und dieser auf seiner Speisekarte vom „Tuna Steak Rare“ bis zum „Tuna Carpaccio“ alles anbietet was das Herz begehrt. Ein Blick auf seine Speisekarte im Internet genügt. Wenn Sie ihn als Meeresanwalt küren, dann sollten Sie nicht mich hier nach den Quellen fragen sondern müssten das selber im Blick haben.

    Wie Sie sicher wissen hat z.B. der größte deutsch Fischverkäufer, die „Nordsee“, den Bluefin schon seit vielen Jahren nicht mehr im Programm.

    Auf die Mehrheit der Bevölkerung mag Ihre Kampagne überzeugend wirken. Auf Branchenkenner wirkt sie eher wie ein Pakt mit der Industrie, in dem Sie etwas Fordern was schon längst geschehen ist und dafür einen TV Show Koch vor den Karren spannen, der von der PR profitiert und in seinem Restaurant schön weiter (den bei ihnen rot gelisteten) Yellowfin Thunfisch anbietet.

  6. Anke Pohl

    Ich freue mich sehr über Ihre Zustimmung zu der Forderung, diesen bedrohten Fisch von der Speisekarte zu nehmen.

    Da Sie in Ihrer Antwort von „meiner Kampagne“ sprechen, möchte ich betonen, dass es sich um eine Kampagne des WWF handelt.

    Ich weise nochmal darauf hin, dass es sich hier um eine EUROPAWEITE Kampagne handelt, die meiner Meinung nach dringend erforderlich ist, da eine im Oktober 2008 von der ICCAT vorgelegte Untersuchung zeigte, dass 2007 im Mittelmeer 61.000 Tonnen Roter Thunfisch gefangen wurden – doppelt so viel wie die offizielle Quote zuließ und vier Mal so viel wie im Sinne einer bestandserhaltenden Fischerei angemessen wäre. Eine Analyse der Populationsbestände vom April 2009 bestätigte die drohende Gefahr der Ausrottung des Roten Thuns bis 2012.

    Der WWF engagiert sich in dieser Sache bereits seit Jahren und fordert einen nötigen Fangstopp – deshalb kann ich Ihre Schlussfolgerungen im letzten Absatz nicht nachvollziehen.

    Ich möchte Sie jedoch dazu ermutigen, mit konstruktiver Kritik direkt an den WWF/Herrn Henssler heranzutreten/bzw. Ihre offenen Fragen zur Kampagne zu stellen.

  7. Anke Pohl

    Vielen Dank – Sie haben mich da ausserdem gerade auf etwas stoßen lassen, das näher beleuchtet werden sollte:

    Ich habe mich auf der Suche /Recherche nach der von Ihnen als Argument verwendeten Importstatistik zunächst an die Industrie und Handelskammer gewandt und folgende Antwort erhalten:

    „Hallo Frau Pohl, uns liegen solche Daten nicht vor, aber vielleicht kannn Ihnen der Hauptverband des Einzelhandels in Berlin helfen? Viel Erfolg bei der Recherche! Viele Gruesse…“

    Das habe ich dann getan – die Antwort lautet:

    „Sehr geehrte Frau Pohl, leider haben wir hierzu keine Infos. Wir empfehlen Ihnen unseren Fachverband: Fachverband „DER FISCHFACHHANDEL“ im BVL…“

    Gut – ich fragte also dort nach und erhielt folgende Resonanz:

    „Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte wenden Sie sich an Fisch-Informationszentrum (FIZ) e.V… Uns liegen keine Informationen vor. Mit freundlichen Grüßen…“

    —> Laut Webseite des FIZ beschreibt sich dieser Verein wie folgt: „Das Fisch-Informationszentrum, kurz FIZ genannt, ist ein eingetragener Verein, der 1997 von Unternehmen und Verbänden der deutschen Fischwirtschaft gegründet wurde. Zu den Gründern gehören die Hochseefischerei und Fischindustrie, der Fischgroß- und einzelhandel sowie die Fischgastronomie.“

    Ist es nicht zunächst einmal eine Farce, bei der Nachfrage nach offiziellen Zahlen bei offiziellen Stellen, am Ende an die Industrie verwiesen zu werden?

    Da drängt sich förmlich die Frage auf, wem diese Verantwortungsdiffusion von Nutzen ist.

    Evtl. können Sie mir weiterhelfen? – Auf welche Importstatistik beziehen Sie sich in Ihrem Beitrag? Wer hat diese erstellt und herausgegeben?

  8. Hans

    Hallo Frau Pohl,

    die 10% stammen vom FIZ. Solange die Zahlen stimmen, habe ich damit kein Problem, dass das FIZ von der Industrie gegründet wurde, genauso wenig wie ich ein Problem damit habe, dass an der Spitze des WWF erfolgreiche Unternehmer wie Michael Otto stehen.

    Das bringt mich aber zurück zu der einzigen an Ihrer Aktion geäußerten Kritik, zu der Sie mir vielleicht etwas sagen können:

    1. Wie stehen Sie dazu, dass der WWF mit dem Koch Steffen Henssler eine groß angelegte PR Aktion startet, in der Herr Henssler auf der Website des WWF verspricht, keinen vom WWF rot gelisteten Fisch mehr zu verwenden, wobei die im Internet einsehbare Speisekarte des Herrn Henssler voll mit Thunfisch ist? Jede roh verzehrbare Thunfischart ist beim WWF rot gelistet.

    2. Welche Kriterien muss ein „Meeresanwalt“ des WWF erfüllen?

    3. Wieso stellen Sie Herrn Henssler als Vorreiter dar, wenn er keinen Bluefin mehr verwendet? Wenn Sie mal in Sushi Bars gehen und sich den Fisch angucken, dann werden Sie nur noch in den seltensten Ausnahmen Bluefin finden. (Wenn man sich etwas auskennt erkennt man den Unterschied auch bei zubereitetem Fisch.)

    4. Wieso lassen Sie Herrn Henssler nicht mit gutem Beispiel voran gehen und den Beweis antreten, dass man Sushi auch ohne Thunfisch hervorragend genießen kann? In der Hamburger Morgenpost kündigte Henssler zu Anfang des Jahres an, dass er den Bluefin Thunfisch ersatzlos von der Karte nimmt. Wenn nun der Yellowfin doch als Ersatz für den Thunfisch genommen wird, dann kann ich den Gehalt Ihrer Kampagne nicht entdecken…

    Würde mich über eine Antwort freuen.

Eigentümer und Herausgeber: Anke Pohl www.ethiker.com Das Copyright für veröffentlichte Publikationen, Objekte und Inhalte der Webseite verbleibt bei den Eigentümern.
Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle wird keine Haftung für die Inhalte externer Links übernommen. © www.ethiker.com
SSL Zertifikate

buero